Landrat Thomas Hendele traf Verkehrsminister Hendrik Wüst

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Halten das Eckpunktepapier des Landkreistages zu Mobilität und Verkehrsentwicklung in ihren Händen: Landrat Thomas Hendele und Verkehrsminister Hendrik Wüst. Foto: Kreis ME/LKT
Halten das Eckpunktepapier des Landkreistages zu Mobilität und Verkehrsentwicklung in ihren Händen: Landrat Thomas Hendele und Verkehrsminister Hendrik Wüst. Foto: Kreis ME/LKT

Kreis Mettmann/Düsseldorf. Verkehrspolitik muss stärker die Besonderheiten des kreisangehörigen Raums berücksichtigen. Mit seinem jetzt veröffentlichten Eckpunktepapier stellt der Landkreistag Nordrhein-Westfalen (LKT NRW) 16 Kernforderungen auf, um Mobilität und Verkehrsentwicklung in den NRW-Kreisen zukunftssicher zu gestalten.

Verkehrspolitik darf nicht in erster Linie aus Großstadtsicht betrieben werden: „Die Verkehrspolitik muss da ansetzen, wo die Mehrheit der Bevölkerung in NRW lebt und arbeitet und wo die längsten Distanzen zurückgelegt werden müssen: im kreisangehörigen Raum“, unterstrich der Präsident des Landkreistags NRW, Landrat Thomas Hendele (Kreis Mettmann), im Austausch mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst anlässlich der jüngsten Vorstandssitzung des LKT NRW in Düsseldorf und überreichte dem Minister das druckfrische Eckpunktepapier des Verbandes zu Mobilität und Verkehrsentwicklung.

Die 31 NRW-Kreise nehmen über 90 Prozent der Fläche des Landes ein. Über 60 Prozent der NRW-Bevölkerung und mehr als 50 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sind im kreisangehörigen Raum angesiedelt. Um den Bedürfnissen dieser Bürgerinnen und Bürger an Mobilität gerecht zu werden, müsse die Verkehrsinfrastruktur in den Kreisen gestärkt und fairer gestaltet werden: „Die Hälfte aller künftigen vom Land NRW geförderten Verkehrsprojekte muss im kreisangehörigen Raum liegen“, forderte Hendele.

Gerade auch im Hinblick auf die gegenwärtigen Herausforderungen der Umweltpolitik und der notwendigen Verkehrswende müsse der kreisangehörige Raum in den Fokus rücken: „NRW ist seit Jahren Stauspitzenreiter, die Städte stehen vor dem Verkehrsinfarkt. Durch Digitalisierung können Verkehre etwa durch Vernetzung optimiert und beispielsweise durch Home-Office-Lösungen vermieden werden. Voraussetzung ist aber ein flächendeckender Glasfaser- und 5G-Ausbau für den kreisangehörigen Raum“, betonte Hendele.

Mit dem Eckpunktepapier zu Mobilität und Verkehrsentwicklung zeigt der LKT NRW die verkehrspolitischen Anliegen der Kreise auf. Darin werden 16 Kernforderungen gestellt, darunter:

  • Vernetzung und Digitalisierung als Eckpfeiler der Mobilität: Verkehrsträger müssen sinnvoll miteinander verknüpft und einfache Übergangsmöglichkeiten zwischen Auto, Schiene, aber auch Fuß- und Radverkehr geschaffen werden. Dazu sind digitale Angebots- und Informationsformen notwendig. 
  • Technologieoffene Förderung von neuen Antriebstechnologien: Elektromobilität ist kein Allheilmittel. Daher müssen neben Elektromobilität beispielsweise auch Wasserstoffantriebe oder synthetische Kraftstoffe gleichermaßen berücksichtigt werden.
  • Beschleunigung von Verkehrsprojekten: Planung und Bau der Infrastruktur muss einfacher und schneller umgesetzt werden. 
  • Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene: Trassen im kreisangehörigen Raum stellen einen wichtigen Faktor in der Logistikkette in NRW dar und müssen daher reaktiviert, erweitert oder auch bei Bedarf neu gebaut werden. 
  • Stärkung der regionalen Flughäfen: Flughäfen im kreisangehörigen Raum sind wichtige Standortfaktoren. Sie stellen internationale Verbindungen her, aber auch notwendige Infrastruktur, etwa durch Ambulanz- oder Organtransportflüge. Ziel muss die Chancengleichheit zwischen den Flughäfen in NRW sein.

Insgesamt ist der kreisangehörige Raum in NRW sehr unterschiedlich strukturiert: Er reicht von klassisch ländlich geprägten Kreisen, in denen die Menschen längere Distanzen für die alltäglichen Erledigungen zurücklegen müssen, über sehr wirtschaftsstarke Kreise mit vielen mittelständischen Unternehmen, die auf eine gute Verkehrsinfrastruktur in den Gewerbegebieten angewiesen sind, bis hin zu urbanen Kreisen, die ähnliche Verkehrsschwerpunkte und -probleme wie die umliegenden Großstädte haben. „Jeder Kreis hat andere Mobilitätsanforderungen. Daher brauchen wir keine einheitlichen Rezepte für ganz NRW, sondern individuelle Verkehrsentscheidungen vor Ort“, betonte Hendele und ergänzte: „Dabei stelle ich mir vor, das regionale Konzepte, wie etwa das vom Kreis Mettmann und seinen Nachbarn gemeinsam verfolgte Projekt zur Reaktivierung der Ratinger Westbahn als besonders förderungswürdig erkannt werden.“