„Wohnen ist ein Menschenrecht“: Caritas fordert Bund und Land zum Handeln auf

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Mettmann. Im Zuge der Demonstrationen des Aktionsbündnis „Wir wollen wohnen“, unter anderem in Köln, ruft auch die Caritas im Kreis Mettmann Bund und Land dazu auf, die Wohnsituation im Kreisgebiet zu verbessern.

„Wohnen ist ein Menschenrecht. Die Zahl der Wohnungslosen liegt auf einem erschreckend hohen Niveau. Nach Erkenntnissen der Caritas-Wohnungslosenhilfe können wir bestätigen, dass in den letzten Jahren die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten und betroffenen Menschen auch in Mettmann stetig zugenommen hat“, sagt Klaus Gärtner, Fachdienstleiter der Caritas Mettmann für diesen Bereich.

Die Caritas stützt ihre Forderungen auch auf bereits ermittelten Datensätzen. Aus einem Sozialbericht des Landes Nordrhein-Westfalen (Kurzanalyse 03/2018) sowie aus den Daten des Job-Centers ME-Aktiv zu den Kosten für Unterkunft geht hervor, dass im Kreis Mettmann die Anzahl der Wohnungslosen im Zeitraum von 2014 bis 2017 von 763 auf 1.104 Personen an (+44,6%) gestiegen ist. Demnach kamen auf 10.000 Einwohner im Kreisgebiet 23 Wohnungslose. Die zugesicherte Grundmiete inklusive der kalten Nebenkosten liegt in Mettmann aktuell bei 434 Euro bei 50 Quadratmetern (8,68 Euro/ m2) für eine Einzelperson. „Vor allem kleinere, derzeit angebotene Wohnungen kosten jedoch im Durchschnitt rund 10 Euro / m2“, heißt es ist der schriftlichen Forderung der Caritas im Kreis Mettmann.

„Wir brauchen eine Politik, die für ausreichend bezahlbaren Wohnraum sorgt und Menschen dabei unterstützt, trotz steigender Mieten in ihren Wohnungen zu bleiben“, betont auch Thomas Rasch, Bereichsleiter im Caritasverband im Kreis Mettmann.
Die geplante Wohngeldreform sei ungenügend, wenn sie das Wohngeld erhöhe, aber keine Dynamisierung vorsehe. Dringend erforderlich sei eine Neuregelung der Kosten der Unterkunft bei der Grundsicherung, bei der die Festlegung der Unterstützungsleistungen auf Basis der tatsächlichen Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums erfolgen muss.

In Zusammenschluss mit der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat die Caritas „10 Taten gegen Wohnungsnot“ formuliert, um auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam zu machen:

    1. Jetzt preisgünstig Wohnraum schaffen:
      Mindestens 30 Prozent aller Neubauwohnungen brauchen eine langfristige Sozialbindung.
    2. Gemeinwohl geht vor Rendite:
      Den Anteil des öffentlichen, gemeinnützigen und genossenschaftlichen Wohnungsbestandes in Ballungsräumen deutlich steigern.
    3. Eigentum verpflichtet – der Zehnt fürs Gemeinwohl:
      Private Immobilienunternehmen stellen preisgünstigen Wohnraum zur Verfügung.
    4. Mit Wohnraum zockt man nicht:
      Spekulationen und Zweckentfremdung stoppen, Leerstand verhindern.
    5. Günstiges Bauland für günstige Wohnungen:
      Öffentliche Hand und Kirche stellen Grundstücke für Wohnungsbau günstig zur Verfügung.
    6. Vorbild sein – preisgünstigen Wohnraum schaffen:
      Kirche und ihre Caritas schaffen neuen preisgünstigen Wohnraum.
    7. Sozialquote einführen:
      Geschützte Wohnraumsegmente für besondere Personengruppen schaffen.
    8. Mietschulden übernehmen, Zwangsräumungen verhindern:
      Wohnungslosigkeit und Ersatzunterbringung sind teurer als Mietschuldenübernahme.
    9. Messe und Steuern:
      Bundes- und landesweite Wohnungsnotfallstatistiken einführen. Nationale Strategie gegen Wohnungsnot entwickeln.
    10. Schnelle und wirksame Hilfen für Betroffene:
      Auf- und Ausbau von Angeboten zur Prävention und Beseitigung von Wohnungslosigkeit.

„Das Problem ist komplex, einfache Lösungen gibt es nicht,“, heißt es von der Caritas. Deswegen sei auch der Druck der Öffentlichkeit auf die Politik weiter notwendig. Die Caritas im Kreis Mettmann unterstütze daher das Bündnis „WeAct“ bei seiner Petition an Ministerpräsident Armin Laschet: „Erhalten und verbessern Sie die rechtlichen Regelungen, die dem Schutz der Mieterinnen und Mieter dienen. Keinesfalls dürfen sie ersatzlos abgeschafft werden.“

Denn in vielen Städten und mittlerweile auch im Umland von NRW würden selbst für normalverdienende Mieter Wohnungen unbezahlbar. Immer mehr Haushalte überschritten die kritische Grenze von 30 Prozent des Haushalteinkommens für die Wohnkosten – oft sei es sogar mehr als die Hälfte. Insbesondere Menschen in unteren und mittleren Einkommensgruppen hätten Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Laut Wohnungsmarktbericht der NRW-Bank braucht Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2020 rund 400.000 neue und vor allem bezahlbare Wohnungen. Im Jahr 2018 wurden nach derzeitiger Schätzung gerade einmal rund 45.000 gebaut.

Die Teilnahme an der Petition ist unter
https://www.caritas-nrw.de/nachrichten/2019/kampf-fuer-bezahlbares-wohnen möglich.