Pause wegen Sanierung bis 2021: Kaiserwagen soll 150. Geburtstag schaffen

274
Der Historische Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn wird erst 2021 wieder fahren. Foto: WSW
Der Historische Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn wird erst 2021 wieder fahren. Foto: WSW

Wuppertal. Die Wuppertaler Stadtwerke haben angekündigt, den historischen Kaiserwagen der Schwebebahn zu sanieren. Die Kosten: voraussichtlich rund eine Million Euro.

„Es geht um nicht weniger, als den Erhalt eines der herausragenden Technik-Denkmäler des Landes“, beschreibt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil die Herausforderung. „Wir wollen im Jahr 2050 den 150. Geburtstag des Kaiserwagens der Wuppertaler Schwebebahn feiern“, erläutert Jaeger, „und müssen ihn auf Basis verschärfter Sicherheitsvorschriften gleichzeitig technisch auf den neuesten Stand bringen.“

Die Aufgabe, die Jaeger beschreibt, stellt sich als schwieriger heraus, als ursprünglich gehofft. Nach 120 Betriebsjahren steht für den Kaiserwagen eine umfangreiche Sanierung an. Das ist das Ergebnis der Untersuchung eines externen Sachverständigen zur Lebensdauer des historischen Gefährts. An der tragenden Struktur des Fahrzeugs ist in der langen Vergangenheit eine Vielzahl an Arbeiten vorgenommen worden, die im Detail technisch nicht mehr nachvollziehbar sind.

Die vorhandenen Dokumente zum Kaiserwagen stammen in der Mehrzahl von 1976, als der Zug zum 75-jährigen Jubiläum der Schwebebahn nach über 70 Jahren im Fahrdienst generalüberholt wurde. Aufgrund fehlender Materialkennwerte der Bauteile von 1900 hat der Gutachter mit theoretischen Annahmen gearbeitet, die im weiteren Verfahren noch bestätigt werden müssen.

Im Ergebnis müssen nach einem ersten Kurzgutachten zwei sicherheitsrelevante Bauteile des Drehgestells, der Querträger sowie seine Trägerschale, ausgetauscht werden. Dafür ist allerdings Vermessung, Planung sowie Fertigung und Montage der neuen Bauteile notwendig. „Das ist keine Kleinigkeit und wird leider entsprechend Zeit benötigen, aber das ist letztlich auch eine Investition für die kommenden Generationen“, erläutert Jaeger. Fertigung und Einbau werden nach Einschätzung der Experten bis zum Ende des Jahres dauern.

Zusätzlich wird der Kaiserwagen von 600 auf 750 Volt Fahrstrom umgestellt. Dafür ist unter anderem eine neue Verkabelung notwendig, die derzeit mit der Technischen Aufsichtsbehörde abgestimmt wird. Die vorhandene 44 Jahre alte Verkabelung erwies sich nach ihrer Freilegung im Fahrzeug als ungeeignet.

Parallel baut die Firma Alstom die Komponenten für das neue Betriebssystem ein. Auch diese Veränderungen am Fahrzeug mit verschiedenen Anbauten müssen durch die TAB genehmigt werden.

WSW: „Terminplan steht“

Zu Beginn des Jahres 2021 erfolgen dann gemäß der jetzigen Planung der Zusammenbau des Fahrzeugs und erste Test- und Versuchsfahrten. Bis zum Juli 2021 werden Gutachter und Alstom dann das Fahrzeug auf Herz und Nieren prüfen und anschließend einen Abschlussbericht erstellen, auf dessen Grundlage die TAB dann die Betriebsgenehmigung erteilt. Diese wird im September 2021 erwartet.

Der grobe Terminplan steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Testfahrten die Annahmen des Gutachters bestätigen. Bei negativer Bewertung durch den Sachverständigen sind weitere Berechnungen, im Ernstfall sogar neue Drehgestelle notwendig.

„Wir gehen im Moment nicht davon aus, aber auszuschließen ist es auch nicht“, räumt Betriebsleiter Dr. Christian Kindinger ein. Die Kosten für die komplette Überarbeitung summieren sich nach derzeitigem Stand, also ohne neue Drehgestelle, auf rund eine Million Euro.

Schwebebahnfahrten werden international empfohlen

Auf diese Situation muss sich auch die Wuppertal Marketing GmbH (WMG) einstellen. Die WMG hat gemeinsam mit den WSW die beliebten Kaiserwagenfahrten mit Stadtführer angeboten. „Wir haben zuletzt durch zahlreiche Artikel mit Reiseempfehlungen in der internationalen Presse wieder erfahren, wie beliebt die Schwebebahnfahrten sind. Wenn CNN, Guardian oder Neue Züricher Zeitung begeistert von den Fahrten berichten, muss es unser gemeinsames Ziel sein, unseren Gästen in Wuppertal eine spannende Alternative zur Kaiserwagenfahrt anzubieten“, sagt WMG-Geschäftsführer Martin Bang.

WSW mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger (links) und Martin Bang, Geschäftsführer der Wuppertal Marketing GmbH. Foto: WSW
WSW mobil-Geschäftsführer Ulrich Jaeger (links) und Martin Bang, Geschäftsführer der Wuppertal Marketing GmbH. Foto: WSW

Da eine schwebende Stadtrundfahrt durch nichts zu ersetzen ist als durch eine schwebende Stadtrundfahrt, haben WSW und WMG eine neue Idee entwickelt: Die Fahrt mit Stadtführer in der neuen Schwebebahn. Zunächst beginnt die Veranstaltung in der Wagenhalle der WSW in Vohwinkel mit Videovorführung und Blick in die Wagenhalle.

Auf der anschließenden Rundfahrt erzählt der Stadtführer Wissenswertes, Interessantes und Wuppertaler „Dönekes“. Ein Highlight ist in Oberbarmen das Wendemanöver der 24 Meter langen Bahn auf neun Metern Radius, das die Fahrgäste in der Schwebebahn sitzend erleben. Im regulären Fahrbetrieb ist das nicht möglich.

Der Start der neuen Schwebebahn-Stadtrundfahrt ist bislang nach den Osterferien zum 18. April geplant. Die Fahrten finden samstags, sonntags und feiertags um 13 und 17 Uhr statt. Tickets kosten 16,50 Euro (Erwachsene) und 11,50 Euro (Kinder bis einschließlich 12 Jahre) und sind erhältlich bei Wuppertal Touristik, Kirchstraße 16, Telefon 0202/563-2270 und -2180 sowie unter www.wuppertalshop.de.