Arbeitsagentur: Kurzarbeit bei einem Drittel aller Unternehmen

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Der Schriftzug
Der Schriftzug "Agentur für Arbeit" steht an einem Gebäude. Foto: pixabay/symbolbild

Mettmann. Auf den Arbeitsmarkt im Kreis Mettmann hat die Corona-Krise spürbare Auswirkungen: Rund ein Drittel aller Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt.

„Die Kurzarbeit im Kreis Mettmann ist auf ein Rekordhoch gestiegen“, informiert Karl Tymister, Chef der Agentur für Arbeit Mettmann. „Inzwischen hat ein Drittel aller Unternehmen bei uns Kurzarbeit angezeigt“.

Die Planungen der Arbeitgeber betreffen über 65.000 Menschen und damit rund ein Drittel aller Beschäftigten im Kreis Mettmann. „Auf der einen Seite zeigen die hohen Zahlen, wie hart die Corona-Krise die Wirtschaft getroffen hat“, so Tymister. „Auf der anderen Seite sind diese Zahlen ein gutes Zeichen, denn Kurzarbeit verhindert Arbeitslosigkeit. Das Kurzarbeitergeld ist ein Instrument, um Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern.“

4.485 Betriebe haben bis zum 26. April für insgesamt 65.203 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Das geht aus den Daten der Arbeitsagentur hervor. Wie viele Beschäftigte tatsächlich kurzarbeiten, werde allerdings erst in einigen Monaten sicher feststehen- ebenso wie der Umfang der Arbeit, die ausgefallen ist. Denn die Unternehmen haben drei Monate Zeit, die Abrechnungslisten über die tatsächlich ausgefallenen Arbeitsstunden einzureichen und damit die Erstattung des Kurzarbeitergeldes zu beantragen, heißt es zur Erklärung von der Agentur für Arbeit.

Auswirkungen weitaus größer als zur Finanzkrise

Ein Vergleich mit den Auswirkungen der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 zeigt das Ausmaß der aktuellen Kurzarbeit: Im gesamten Jahr 2009 hatten im Kreis Mettmann 1.081 Unternehmen für 26.414 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Damals waren vor allem exportorientierte größere Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und ihnen
nahestehende Branchen wie die Logistik betroffen.

In der aktuellen Coronavirus-Krise müssten dagegen nahezu alle Branchen und auch viele kleine Unternehmen kurzarbeiten. Gaststätten, Restaurants und Hotels trifft es dabei am stärksten mit einem kompletten Stillstand. Auch viele Händler und Dienstleister wie Frisöre, Textilreinigungen, Reisebüros aber auch Zahnärzte, Physiotherapeuten oder Dermatologen sind zum ersten Mal von Kurzarbeit betroffen.

Wie viele Beschäftigte tatsächlich kurzarbeiten, werde allerdings erst in einigen Monaten sicher feststehen- ebenso wie der Umfang der Arbeit, die ausgefallen ist. Foto: pixabay
Wie viele Beschäftigte tatsächlich kurzarbeiten, wird erst in einigen Monaten feststehen – ebenso wie der Umfang der Arbeit, die ausgefallen ist. Foto: pixabay

Weil die derzeitige Situation zu vielen Fragen und damit einem hohen Beratungsbedarf führe, ist die Agentur für Arbeit telefonisch und online für Kundinnen und Kunden erreichbar. Die Beratungen zum Thema Kurzarbeitergeld sind deutlich verstärkt worden. „Die zeitnahe Auszahlung der existenzsichernden Leistungen wie beispielsweise Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld hat für uns höchste Priorität“, so Karl Tymister.

Informationen gibt es auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de.

Kurzarbeit kann nicht alle Arbeitsplätze retten

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Mettmann im April deutlich gestiegen. Insgesamt waren 17.210 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des März sind dies 2.006 Personen oder 13,2 Prozent mehr. Im Vergleich zum April vor einem Jahr steigt die Zahl der Arbeitslosen um 2.910 Personen bzw. 20,3 Prozent. Ebenfalls von der Corona-Krise betroffen ist der Ausbildungssektor.

„Leider kann auch die Kurzarbeit nicht alle Arbeitsplätze retten. Zudem werden in der Corona-Krise weniger neue Arbeitsverträge geschlossen“, so Karl Tymister. „In Summe führt das erwartungsgemäß zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit.“

Zudem entfällt aus Ausgleichsfaktor: Die Frühjahresbelebung fällt in diesem Jahr aus. Die Arbeitslosenquote steigt von 5,8 Prozent im März auf aktuell 6,6 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 5,5 Prozent.

„Im Vergleich zum März sind 2.000 Menschen mehr arbeitslos. Das liegt hauptsächlich daran, dass weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten und noch nicht an der gestiegenen Zahl der Kündigungen“, erläutert Karl Tymister, Chef der Agentur für Arbeit Mettmann.