Ratinger Berufsschüler protestieren: „Wir fühlen uns im Stich gelassen“

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Die Botschaft der Adam-Josef-Cüppers-Berufsschüler ist unmissverständlich:
Die Botschaft der Adam-Josef-Cüppers-Berufsschüler ist unmissverständlich: "Schulöffnung geht über Leichen". Foto: Privat

Ratingen. In der Nacht haben Schülerinnen und Schüler des Adam-Josef-Cüppers-Berufskollegs eine Kreideaktion auf dem Schulhof gestartet.

In einer nächtlichen Aktion haben Schülerinnen und Schüler des Ratinger Adam-Josef-Cüppers-Berufskollegs mit Kreide Protestbotschaften auf den Boden des Schulhofs geschrieben: von „Wir werden laut!“ bis zum Hashtag #ArminLasses reichen die Kreideschriften, mit denen die Schüler auf ihre Sorgen und Ängste aufmerksam machen möchten.

Hintergrund des Protests sind die Schulöffnungen in Nordrhein-Westfalen. „Wir fühlen uns von der Landesregierung im Stich gelassen und einem erheblichen Infektionsrisiko ausgesetzt“, mahnen die Berufsschüler. Sie halten den aktuellen Plan der Landesregierung, nach dem die Abschlussprüfungen und Abiturprüfungen regulär stattfinden sollen, für katastrophal.

Mit der Situation sind viele der Schüler überfordert. Aufgrund des Home-Schoolings und der Isolation seien viele psychisch sehr belastet. Hinzu kommen Erschwernisse, die das Lernen zu Hause beeinträchtigen: ein stiller, angenehmer Lernort steht nicht für alle zur Verfügung. „Viele unserer Klassenkameradinnen und Klassenkameraden aus ärmeren Familien müssen ihr Zimmer mit anderen Geschwistern teilen und sind Lärm und Stress ausgesetzt“, heißt es vonseiten der Berufsschüler, die namentlich nicht genannt werden wollen und daher anonym protestieren. Weil auch Bibliotheken nicht geöffnet haben, könne man zum Lernen nicht dorthin ausweichen.

Pläne von Land und Schulleitung würden Probleme verschlimmern

Nicht konform gehen die Schüler des Adam-Josef-Cüppers-Berufskollegs mit den Vorhaben von Landesregierung und Schulleitung. „Der aktuelle Plan unserer Schulleitung und der Landesregierung schafft hierbei keinerlei Abhilfe, sondern verschlimmert das Problem“, so die Schüler: „Auf uns liegt noch mehr Leistungsdruck!“

In einigen Klassen müssten in den nächsten Wochen jeweils drei Klausuren pro Woche geschrieben werden. Die Schüler befürchten, dass ihre Noten und damit auch die Zeugnisse schlechter werden. „Viele aus der Q1 haben Angst, nächstes Jahr nicht zum Abitur zugelassen zu werden, da ihre Noten schlechter als unter normalen Umständen ausfallen können.“

Hinzu kommen gesundheitlich Risiken, vor denen auch Schülerinnen und Schüler – trotz ihre jungen Lebensalters – nicht geschützt seien: „Viele von uns gehören zur Risikogruppe und können deswegen nicht am regulären Unterricht teilnehmen“, heißt es von den Adam-Josef-Cüppers-Schülern. Die Klausuren mitschreiben müssten sie dennoch.

Und selbst diejenigen, die nicht zur Risikogruppe gehören, müssen womöglich weitreichende Entscheidungen treffen – nämlich in den Fällen, in denen im Haushalt der Schüler mögliche Risikopatienten leben. „Das Leben der engen Verwandten riskieren“, nur um eine „Chance auf einen Schulabschluss, Abitur oder auf ein gutes Zeugnis“ zu haben, dagegen wehren sich die Schüler.

„Das alles ist für uns keine Gerechtigkeit und nicht hinnehmbar“, lautet ihr Protest. „Wir werden uns dagegenstellen und für unsere Rechte und Würde einsetzen“. Die Berufsschüler des Adam-Josef-Cüppers-Kollegs fordern daher, Schulschließungen bis zur Aufhebung der Kontaktsperre und Durchschnittsabitur sowie -abschlüsse mit freiwilliger Prüfung. Ihr Protest gilt dabei nicht nur ihrer eigenen Schulsituation: die Adam-Josef-Cüppers-Berufsschüler stellen sich solidarisch mit allen Schülerinnen und Schülern von anderen Schulen.