IG Metall: Schwierige Lage in den Betrieben

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„Die wirtschaftliche Rezession trifft die Niederberger Firmen mit voller Wucht“, so Hakan Civelek. Foto: privat
Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert: „Die wirtschaftliche Rezession trifft die Niederberger Firmen mit voller Wucht.“ Foto: privat

Velbert. Eine aktuelle Befragung der IG Metall Velbert unter 41 Betriebsräten in der Region Velbert hat ergeben, dass in rund 73 Prozent der Betriebe die aktuelle Situation schlecht bis sehr schlecht ist, ebenfalls 73 Prozent der Betriebe sind demnach in Kurzarbeit.

„In vielen Betrieben bewahren Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge, die eine Aufzahlung auf das Kurzarbeitergeld regeln, die Beschäftigten vor existenziellen Nöten. In anderen Fällen hilft der Beschluss des Koalitionsausschusses zur Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, auf den die IG Metall lange gedrängt hat“, so Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert.

Sorgen bereite der IG Metall, dass in rund 60 Prozent der Betriebe bereits Liquiditätsengpässe bestehen, beziehungsweise in den nächsten sechs Wochen erwartet werden. Darum müsse dafür gesorgt werden, dass die von Bund und Land bereitgestellten Finanzierungsmittel jetzt auch schnell und unkompliziert in den Betrieben ankommen. Außerdem brauche es ein Konjunkturprogramm für die Zeit nach der Krise, um die Nachfrage schnell anzukurbeln. Vor allem der Auftragseinbruch bei Automobilzuliefern besorgt die IG Metall. „Die wirtschaftliche Rezession trifft die Niederberger Firmen mit voller Wucht“, so Civelek.

Die Befragung zeige auch die große Bedeutung der Mitbestimmung in den Betrieben. In 91 Prozent der Betriebe haben Betriebsräte mit den Geschäftsführungen über die wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Folgen der Krise beraten. In vielen Betrieben führte dies zu konkreten Betriebsvereinbarungen, zum Beispiel zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, Aufrechterhaltung des Betriebs, Kurzarbeit, flexiblen Arbeitsmodellen oder Home-Office-Regelungen.

Zum Umgang der Geschäftsführungen mit den Beschäftigten in der Krise zeichnen die Betriebsräte ein differenziertes Bild: Rund 47 Prozent sind der Einschätzung, dass die Unternehmen mit ihren Belegschaften mit Blick auf die Sicherung von Arbeit und Einkommen fair oder sehr fair umgehen. Weitere 35 Prozent schätzt das Verhalten der Unternehmen als akzeptabel ein. 18 Prozent berichten jedoch von einem unfairen bis sehr unfairen Umgang mit der Belegschaft.

Civelek: „Wir freuen uns, dass die Zusammenarbeit in der Mehrheit der Betriebe ordentlich läuft. Umso bedauerlicher ist es, dass da in einigen Geschäftsführungen leider noch deutlichen Nachholbedarf besteht. Das kann so nicht bleiben. Denn wir brauchen einen fairen Umgang, um Beschäftigung in den nächsten Monaten zu sichern und beim Wieder-Hochfahren der Industrie gute Regelungen zum Schutz der Beschäftigten gegen das Infektionsrisiko zu finden. Für die IG Metall hat die Gesundheit oberste Priorität. Darum ist die Einhaltung der Standards für Gesundheitsschutz grundlegende Voraussetzung für den Hochlauf der Betriebe oder bei der Rückkehr aus dem Home-Office.“

Auch in Corona-Zeiten steht die IG Metall Velbert im engen Austausch mit ihren Mitgliedern. Besorgte Mitglieder können sich einmal in der Woche mit ihren Fragen an eine speziell eingerichtete Corona-Hotline wenden. Zudem hat die Geschäftsstelle Velbert sämtliche Beratungs- und Informationsangebote auf digitale Formate umgestellt. „Die digitalen Plattformen werden sehr gut angenommen. Gerade in Krisenzeiten ist ein intensiver Austausch von besonderer Bedeutung. Allerdings zeigt der Alltag, dass die Politik noch viele Investitionen in die digitale Infrastruktur tätigen muss“, so der Gewerkschafter Civelek.