Ratinger Blogger starten Hilfsprojekt für Bali: „Die Menschen brauchen unsere Unterstützung“

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Reisen um die Welt - und wollen Menschen auf Bali helfen: Christian, Jennifer und Louis Juraschek. Foto: Privat
Reisen um die Welt - und wollen Menschen auf Bali helfen: Christian, Jennifer und Louis Juraschek. Foto: Privat

Ratingen. Jennifer und Christian Juraschek, zwei Reiseblogger aus Ratingen haben ein Hilfsprojekt auf die Beine gestellt, um Menschen in Bali in Corona-Zeiten zu unterstützen.

Seit einigen Wochen läuft ein Corona-Hilfsprojekt, dass zwei Ratinger Reiseblogger ins Leben gerufen haben. Gemeinsam mit sieben deutschsprachigen Bali-Guides wurde dazu ein Film über das Leben der Menschen auf Bali und deren Kultur gedreht. Nun wird das Werk – wahlweise als mp4-Datei oder Stream – zum Preis von 20 Euro verkauft. Ein Teil des Erlöses fließt an die Balinesen, der Rest entfällt auf Gebühren. Jennifer und Christian Juraschek selbst verdienen an dem Film nichts.

„Inside Bali“, so der Name des dokumentarischen Streifens, zeigt verteilt auf zwölf Kapitel und über drei Stunden Filmmaterial, wie das Leben in Bali aussieht – und wie balinesische Familien ihren Alltag bestreiten. Auslöser für das Projekt ist die Corona-Krise, die den Tourismus weltweit und damit auch auf Bali schwer getroffen hat.

Szene aus dem Film "Inside Bali": Nyoman Ready mit seiner Familie. Foto: Privat
Szene aus dem Film „Inside Bali“: Nyoman Ready mit seiner Familie. Foto: Privat

Rund 80 Prozent der dortigen Jobs hängen direkt oder indirekt mit der Reise-Branche zusammen. Die balinesische Regierung strebt eine Wiederaufnahme des Tourismus für Oktober an. „Da der Tourismus noch längere Zeit ausfallen wird, brauchen die Menschen weiterhin unsere Unterstützung“, erklären die beiden Reiseblogger. Staatliche Hilfen gebe es für die Menschen auf Bali nicht. Immerhin: Die Ratinger haben bereits über 200 Filme verkauft und die dadurch erzielten Einnahmen an die balinesischen Guides und deren Familien weitergegeben.

Bali: „Faszinierende Religion und Kultur“

Jennifer und Christian Juraschek sind als Reiseblogger auf der ganzen Welt unterwegs. In Bali haben sie rund drei Monate verbracht, allerdings „ohne offiziellen Wohnsitz“, so die Jurascheks. Dabei haben sie die Insel und die Menschen kennen und schätzen gelernt.

„Bali fasziniert uns vor allem auf zwei Weisen: Zum einen ist die Natur dort unbeschreiblich schön! Die grünen Reisterrassen, die tosenden Wasserfälle, die bunte Unterwasserwelt und die Strände sind wunderschön. Zum anderen hat Bali eine faszinierende Religion und Kultur.“ Angetan hat es ihnen der hinduistische Glauben, den viele Balinesen ausüben. Das Bild der Insel ist gesäumt von Opfergaben: gekochter Reis, Blumen, Kekse – auch mal Zigaretten. Zu finden sind diese Geschenke nahezu überall, nicht nur in den Hauseingängen. Stets damit verknüpft ist das Entzünden von Räucherstäbchen.

Schwerer Schicksalsschlag in Thailand

Die Ratinger haben viel erlebt in ihrem Alltag als „digitale Nomaden“, viel Gutes, allerdings nicht nur. Einen Schicksalsschlag erlitten beide im Dezember 2017 während einer Reise durch Nordthailand, als der Frontalzusammenstoß mit einem Pick-up das Leben der beiden Blogger hätten beenden können. Doch Jennifer und Christian Juraschek hatten Glück im Unglück. „Bis heute sagen uns die Ärzte immer wieder, dass solche Unfälle oftmals tödlich enden“, erzählen sie.

jennifer und Christian Juraschenk mussten nach dem Unfall das Laufen schrittweise wieder lernen. Foto: Privat
jennifer und Christian Juraschenk mussten nach dem Unfall das Laufen schrittweise wieder lernen. Foto: Privat

Beide wurden in Thailand mehrfach operiert. Rund zweieinhalb Wochen verbrachten sie in ihren Krankenbetten – ununterbrochen. Weder zum Duschen noch für einen Toilettengang konnten sie aufstehen. Anschließend führt sie ein Ambulanzflug zurück nach Deutschland, direkt ins Unfallklinikum nach Duisburg. Dort verbrachten sie weitere dreieinhalb Wochen, wurden erneut operiert und danach rehabilitiert.

Ohne Folgen blieb der schwere Crash, der sich während einer Fahrt mit dem Motorroller ereignete, nicht. „Christian hat durch den Unfall jedoch auch einen Nervenschaden erlitten“, so Jennifer. „Er hat seitdem eine Fußlähmung und ist im Laufen eingeschränkt“.  Auch Nervenschmerzen gehören für ihn zum Leben. Wirksame Medikamente gibt es kaum.

Entmutigen ließen sich die beiden Ratinger nicht. „Wir haben durch den Unfall viel gelernt. Es sind neue Freundschaften durch den Unfall entstanden und wir wissen unsere Lebenszeit noch mehr zu schätzen als vorher.“ Ihr Wissen nutzen sie, um andere über Perspektiven zu informieren, auf die die beiden Blogger erst durch den Unfall aufmerksam wurden: So etwa zum Thema Barrierefreiheit an Sehenswürdigkeiten. „Wenn man einmal selbst im Rollstuhl saß, sieht man vieles mit anderen Augen“, lautet ihr nüchternes Resümee.

Die beiden Blogger sind längst wieder unterwegs. Foto: Privat
Die beiden Blogger sind längst wieder unterwegs. Foto: Privat

Der schwere Unfall hat die Reisevorhaben der Juraschenks unterbrochen, nicht aber beendet. „Mittlerweile reisen wir aber trotz Unfallfolgen weiter um die Welt – außer natürlich während des Corona-Lockdowns“. Corona hat das Reisen für die beiden Blogger einige Wochen nahezu unmöglich gemacht. Ein harter Schlag. Zuversichtlich sind sie dennoch: „Alles, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut hatten, war von heute auf morgen quasi weg. Die Folgen spüren wir immer noch stark. Aber dadurch, dass Reisen nun zumindest innerhalb Europas wieder möglich sind, geht es langsam wieder bergauf.“

Weitere Informationen rund um das Hilfsprojekt gibt es online unter www.unaufschiebbar.de/bali-guides/inside-bali.