Unbedingt – ein Kommentar zur Wahl in Wülfrath

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Zwischen Rainer Ritsche und Andreas Seidler entscheidet sich am 27. September, wer neuer Bürgermeister in Wülfrath wird. Fotos: Kehren/privat
Zwischen Rainer Ritsche und Andreas Seidler entscheidet sich am 27. September, wer neuer Bürgermeister in Wülfrath wird. Fotos: Kehren/privat

Ein Kommentar zur Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Wülfrath von Hans-Joachim Kling:

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Es ist schon kurios. Hätte die CDU sich durchgesetzt, der neue Bürgermeister in Wülfrath würde jetzt schon feststehen: Rainer Ritsche.

Denn die CDU geführte Landesregierung hatte ja eigentlich die Abschaffung der Stichwahl beschlossen. Dieser Beschluss wurde allerdings vom Verfassungsgericht des Landes gekippt.
So erhält CDU-Mann Andreas Seidler doch noch die Möglichkeit, im zweiten Anlauf zu gewinnen, was ihm beim ersten Wahlgang nicht gelungen ist.

Dabei könnte es sogar so kommen, dass Seidler mit weniger Stimmen Bürgermeister wird, als Ritsche im ersten Wahlgang hatte. Weil die Wahlbeteiligung niedriger sein könnte als vor zwei Wochen.

So eine Wende hat es übrigens schon mehrfach gegeben. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) beispielsweise ist 2014 nur durch die Stichwahl ins Amt gekommen.
Im ersten Wahlgang war er nur zweiter Sieger.

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, kann man nach der Diskussion von Dienstagabend
im Wülfrather Stadion in der Fußballsprache einbringen. Es geht vor allem darum, wer am
Sonntag seine Mannschaft – sprich die Wählerschaft – besser motivieren kann. Der geht als Sieger „vom Platz“. So einfach kann Politik sein.

Das schönste Bild gibt es allerdings nur in meinem Kopf: Wie Rainer Ritsche und Andreas Seidler am Dienstag, zunächst fast unbemerkt, Seite an Seite, jeder mit Mundschutz, das
Stadion betreten. Das hatte etwas zutiefst Demokratisches.

Irgendwie war es ein beruhigender Augenblick. Dass wir die Wahl haben zwischen zwei Menschen, die sich achten, vernünftig und fair miteinander umgehen.

Deshalb werde ich wählen gehen. Unbedingt. Allein um ein Zeichen zu setzen, dass hier Menschen mit Anstand gewählt werden. Das ist in unserer Welt ja längst nicht mehr selbstverständlich.

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