Kann man Glück unterrichten?

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Schülerinnen und Schüler der 11a des Gymasiums am Berufskolleg Bleibergquelle bilden ein Smiley. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Glücks-Unterricht? Schule steht für Deutsch, Mathe, Englisch, für Physik und Chemie. Aber Glück als Schulfach? Kann man Glück unterrichten? Oder gar lernen? Im Berufskolleg Bleibergquelle in Velbert steht es jedenfalls im Stundenplan.

Schulstunde der 11a des beruflichen Gymnasiums. Einmal in der Woche haben sie „Gück und Selbstmanagement“, wie es offiziell heißt. Auch noch beim Schulleiter: Dr. Ludwig A. Wenzel.

Die Tische haben die jungen Leute beiseite geschoben. Sie sitzen in einem großen Kreis im Klassenzimmer. Alle hinter Masken. An der Bleibergquelle hat die Schülerschaft sich dafür ausgesprochen, auch im Unterricht Mund-und-Nasenschutz zu tragen.

Heute lautet die erste Aufgabe: Wie können wir Glück so darstellen, dass es als Foto rüber kommt – für die Zeitung. Strahlende, grinsende Gesichter schlägt ein junger Mann vor. (Wer es beim Lesen ausprobiert: es funktioniert, macht glücklich…) Wenn da nicht die Masken wären.

Letztlich haben die jungen Leute die Idee: Wir bilden alle zusammen ein Smiley.

Sie hocken sich auf den Boden des Klassenzimmers im Kreis, zwei junge Frauen bilden die Augen, ein junger Mann den Mund, mit den Mundwinkeln nach oben natürlich. Es funktioniert. Der Fotograf von der Zeitung steigt auf einen Stuhl, um das lachende Gesicht einzufangen.

Jetzt geht es los. Die Klasse begibt sich heute auf den „Markt der schlechten Eigenschaften“. Jeder, jede soll eine auf einen Zettel schreiben.

Die Zettel werden eingesammelt und neu verteilt. Die jungen Leute sollen darauf achten, dass sie nicht ihren eigenen Zettel wieder bekommen. Und dann beginnt der Markt. Die Aufgabe: Die schlechte Eigenschaft auf dem Zettel so zu verkaufen, zu preisen, dass ein anderer sie nimmt. Als wäre es etwas Gutes.

Plötzlich wird es lebendig im Klassenraum, Menschen laufen umher, Stimmengewirr, es wird gehandelt, alles hinter Masken.

In einem Zeitungsbericht hat Dr. Wenzel vom Glücksunterricht gelesen. Und war sofort angetan von der Idee. „Glück ist etwas, an dem man arbeiten kann“, hat Wenzel vor der Stunde erzählt. Zum Beispiel: negative Erlebnisse positiv verarbeiten. Eigene Stärken erkennen. Augenblicke des Glücks in einem Tagebuch festhalten. Erfolge aufschreiben.

Zurück zum Unterricht: Irgendwie haben die jungen Menschen es geschafft, ruckzuck die schlechten Eigenschaften loszuwerden. Wie schnell das geht.

Das Gewusel auf dem Marktplatz hat die Stimmung gelockert. Alle sind irgendwie gelöster. Fremde Menschen, Presse im Unterricht, das hat dann doch etwas gehemmt.

Die Jugendlichen wissen auch, dass es im wirklichen Leben nicht so einfach ist mit den schlechten Eigenschaften. Dass es nicht darum geht, etwas einfach nur positiv zu verkaufen. Aber drüber nachdenken, reflektieren, anders bewerten – das kann in vielen Fällen sehr hilfreich sein.

Egoismus ist eine der vielen genannten „negativen“ Eigenschaften. Aber wenn dir ein Mitschüler oder eine Mitschülerin sagt, dass Egoismus ja auch etwas damit zu tun hat, für sich selbst einzustehen, dann ist das schon etwas Positives.

„Glück kann man lernen“, sagt Schulleiter Wenzel. Schule könne den jungen Leuten dabei helfen, eine starke Persönlichkeit zu werden, Selbstkompetenz zu entwickeln.

„Das hier ist jetzt im Moment, sich selbst kennenlernen“, sagt Joela.

„Man denkt nicht an andere Fächer“, sagt Tufan, „sondern an seine Gefühle. Was einen glücklich macht.“

„Man lernt auch die Anderen ganz andes kennen“, sagt Juanna. Und oft gehe einem dabei durch den Kopf: „So kenne ich dich gar nicht.“

Glücks-Unterricht macht glücklich. Den Verfasser dieser Zeilen auf jeden Fall. Und sicher auch den Schulleiter: „Ich bin begeistert von meinen Schülern“, strahlt Dr. Wenzel wie ein Smiley.

Für die Stunde in der nächsten Woche sollen sie sieben Steine mitbringen. Auch Lego ist erlaubt. Was werden sie nur mit diesen Steinen machen?

Hat den Glücks-Unterricht an seiner Schule eingeführt: Schulleiter Dr. Ludwig Wenzel. Foto: Mathias Kehren

Weitere Informationen gibt es beim Fritz-Schubert-Institut für Persönlichkeitsentwicklung, www.fritz-schubert-institut.de.

Mehr über das Berufskolleg Bleibergquelle steht unter www.bleibergquelle.de.