Gesamtschul-Bürgerinitiative: „Eltern verstehen die Welt nicht mehr“

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Eine Schultafel hängt an einer Wand. Foto: pixabay
Eine Schultafel hängt an einer Wand. Foto: pixabay

Mettmann. Am 17. November tagt der Rat in einer Sondersitzung zur Gesamtschule für Mettmann. Die Bürgerinitiative zeigt sich erstaunt über die Entscheidung.

Die Bürgerinitiative Gesamtschule für Mettmann blickt mit Erstaunen auf die letzten Tage. Teile der Fraktionen äußern trotz der eindeutigen Ergebnisse der Elternbefragung Bedenken zur Gründung. Der Fachausschuss vertagte daraufhin eine Entscheidung. Der Rat wiederum verschob und beraumte eine Sondersitzung dfür den 17. November an.

Obgleich ein gewisses Verständnis für die ungünstigen Rahmenbedingungen, die Initiative nennt hier die konstituierende Sitzung des Rates sowie die geringe Vorbereitungszeit – bestehe, sieht die Bürgerinitiative den Rat in der Pflicht, die Gründung der Gesamtschule im November auf den Weg zu bringen.

„Nicht nur aus rechtlicher Sicht besteht ein Anspruch auf eine Beschlussfassung im November, auch stehen die Ratsmitglieder den Wählerinnen und Wählern und insbesondere den Eltern in der Pflicht, die zugesagten und bereits beschlossenen Wege fortzuführen“, so Jan Roth Mitglied des Vorstands der Bürgerinitiative und selbst Vater dreier Kinder.

Die Bürgerinitiative habe in den vergangenen Tagen Gespräche mit politischen Vertreterinnen und Vertretern, der Verwaltung sowie auch Eltern geführt. „Viele Eltern sind entrüstet und verstehen die Welt nicht mehr, die Eltern fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen“, berichtet Andrea Hintzen, dreifache Mutter und Mitglied in der Initiative.

Bei der Bürgerinitiative bekommt man die Reaktionen zu spüren: „Seit der Sitzung des Schulausschusses und der Verschiebung der Entscheidung auf die Sitzung im Rat am 3. November häufen sich täglich die Beschwerden über das Verhalten der Politik“, so Jan Roth.

Aus Sicht der Bürgerinitiative lägen keine neuen Erkenntnisse vor, die eine Verschiebung des „bereits formal begonnenen und kurz vor dem Abschluss stehenden Prozesses“ rechtfertigten. Die Bürgerinitiative teilt mit, sie erhebe den Anspruch, dass die Ergebnisse der verbindlichen Elternbefragung jetzt auch von der Politik umgesetzt werden müssten: „Wir müssen jetzt entscheiden und dürfen nicht wieder weitere Jahre für den Ausbau der Schullandschaft in Mettmann verlieren. Dies wird aus dem Schulentwicklungsplan mit den eindeutigen Erkenntnissen ersichtlich“, so Felix Spiecker, betroffener Vater und Mitglied der Bürgerinitiative.

Frage der Finanzierung sei unabhängig zu beantworten

Die Frage zur Finanzierung des erforderlichen Ausbaus der Schullandschaft sei  unabhängig von der Schulform zu beantworten, meint man bei der Bürgerinitiative. „Die Finanzierungsfrage wird jedoch zumeist nur im Kontext der Gesamtschule diskutiert“, so Jan Roth, was die Bürgerinitiative kritisiere.

Es dürfe sich laut Bürgerinitiative nicht die Frage stellen, ob „wir uns Bildung in unserer Stadt leisten können“, es bestehe ein Rechtsanspruch auf Bildung.

„Versäumnisse der Vergangenheit, Einsparungen und der Rückbau der Schullandschaft sind durchaus Gründe für die nun deutlicher werdenden Probleme“, so Jan Roth für die Initiative. „In Kenntnis dieser Probleme und in Kenntnis des Bedarfs zum Ausbau der Schullandschaft jetzt jedoch nicht zu handeln und die Entscheidung über den Start der Gesamtschule weiter zu verschieben, ist keine Lösung.  Zunächst soll nach der abgeschlossenen Planung auf dem Schulgelände des Borner Wegs eine vierzügige, ggfs. sechszügige Gesamtschule, starten.“ Es gäbe ausreichend Raumkapazitäten, meint Jessica Lorenz, Mutter von zwei Kindern und Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative.

„Die Eltern werden folglich eine weitere Verschiebung der Gründung über das Schuljahr 2021/2022 hinaus nicht akzeptieren“, heißt es von der Bürgerinitiative. Bereits in den letzten Tagen hätten sich zahlreiche betroffene Eltern direkt an die gewählten Ratsmitglieder gewandt und ihre Forderung vertreten.

Die Bürgerinitiative fühlt sich dem Elternwillen verpflichtet und will für diesen entschieden einstehen: „Nach den bisherigen Gesprächen mit den Fraktionen und der Bürgermeisterin sind wir vorsichtig optimistisch, dass der förmliche Beschluss zur Gründung der Gesamtschule am 17. November mehrheitlich vom Rat gefasst wird“.

Es wäre für den Start der Gesamtschule äußerst ungünstig, wenn andere weitere Schritte von „oben“ eingeleitet werden müssten, meint Jan Roth ergänzend.