Lhoist: Steinbrüche reichen fünf Jahre länger

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"Das Wasser unter dem Kiel ist deutlich weniger geworden": Carlos Ripoll, Werksleiter in Flandersbach, im neuen Leitstand. Foto: Lhoist

Wülfrath. Mit sinkenden Absätzen in Folge der Corona-Krise hat Lhoist Germany zu kämpfen. Vor allem die geringere Nachfrage der Stahlindustrie wirkt sich negativ auf das Geschäft aus. Die im April eingeführte Kurzarbeit in den verschiedenen Unternehmensbereichen konnte inzwischen zwar zurückgefahren werden, ist aber noch nicht beendet.

Die geringere Nachfrage macht aus Sicht von Werksleiter Carlos Ripoll eine Neubewertung der Ressourcen notwendig. Wie Ripoll heute auf einer virtuellen Pressekonferenz erklärte, verringert sich die Abbau von geplant zehn Millionen Tonnen Kalkstein im Jahr auf acht Millionen in diesem Jahr.

Außerdem kann das Unternehmen das Material inzwischen effiktiver nutzen. Lhoist gewinnt aus einer Tonne Stein inzwischen 200 Kilogramm Kalk statt bisher 150 Kilogramm.

Die erforderliche Neubewertung hat aus Sicht von Ripoll zur Folge, dass sich die Laufzeit der beiden Wülfrather Steinbrüche Rohdenhaus Nord und Silberberg deutlich verlängert. Ging das Unternehmen zu Anfang des Jahres noch von einer Laufzeit von 15 Jahre aus, so rechnet es heute bereits mit 20 Jahren.

Dazu kommen die Erschließung weiterer Abbaufelder, die sich noch in Genehmigungsverfahren befindet. Geprüft wird auch, ob im Steinbruch Rohdenhaus-Nord ein Untertage-Abbau machbar ist.

Von April bis Oktober hat das Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, wobei es für die Beschäftigten im Werk zumeist eine Vier-Tage-Woche gegeben habe. Auch die Beschäftigten in der Verwaltung mussten in Kurzarbeit. Zudem wurden zahlreiche Mitarbeiter in Homeoffice geschickt. „Wir sind auch noch nicht komplett raus“, sagte Ripoll zum Thema Kurzarbeit.

In wirtschaftliche Schieflage sei Lhoist wegen der getroffenen Maßnahmen „noch nicht“ geraten. Bisher habe das Unternehmen die Schwankungen bei der Nachfrage noch ganz gut ausbalancieren können. „Aber das Wasser unter dem Kiel ist deutlich weniger geworden“, sagte Ripoll zur Lage.

50 Millionen Euro hat Lhoist nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren investiert, unter anderem um „altehrwürdige Anlagen“ zu ersetzen oder zu modernisieren. Neu ist unter anderem die digitale Leitstelle, mit der die Öfen und die Kalk- und Kalksteinmahlanlagen gesteuert werden.

Mehr über diese Anlage und die Investitionen steht in der Mitteilung des Unternehmens:

Mit einem virtuellen Pressegespräch aus der neuen digitalen Leitstelle im Werk Flandersbach sendete die Lhoist Germany Rheinkalk GmbH heute nicht nur Signale für moderne Strukturen und technologischen Fortschritt. Auch Investitionen in puncto Nachhaltigkeit setzt das Wülfrather Traditionsunternehmen konsequent um. So wurden in den Jahren 2019 und 2020 rund 50 Millionen Euro unter anderem in neue Technologien investiert, die Produktionsprozesse effizienter und nachhaltiger machen sollen. Hinzu kommt ein zweistelliger Millionenbetrag für die Instandhaltung der Anlagen, die den betrieblichen Ablauf sicherstellen – kurzum: ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Standorts.

„Wir befinden uns mitten in der nächsten Welle der Pandemie, deren letztendliche Auswirkungen immer noch nicht abschätzbar sind. Wir müssen daher vor- und weitsichtig handeln. Besonnenheit zahlt sich aus, das haben wir in den vergangenen Monaten festgestellt“, berichtet Carlos Ripoll, Leiter des Lhoist Werkes Flandersbach. Bei den Großkunden – vor allem aus der Stahlindustrie – verspürt Lhoist Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent. Die vielfältigen und teilweise systemrelevanten Produktanwendungen seien allerdings Grund für Optimismus: „Einige unserer Produkte werden beispielsweise zur Rauchgasreinigung benötigt, sie gehen an Frischwasserversorger, fließen in die Trinkwasseraufbereitung oder werden an Kläranlagen zur Brauchwasseraufbereitung geliefert.“

Ebenso hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten auch im laufenden

Betrieb viele Maßnahmen ergriffen. Hygienekonzepte, zeitweilige Kurzarbeit und Homeoffice-Regelungen machten deutlich, dass sich Lhoist der Krise erfolgreich stellt.

Beschäftigtenzahl bleibt stabil

Durch die vielfältigen Maßnahmen konnte beispielsweise die Beschäftigtenzahl insgesamt erhalten werden. Rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten derzeit am Standort in Werk (450) und Hauptverwaltung (250). Darüber hinaus hat das Unternehmen dieses Jahr über 30 Prozent mehr Auszubildende als im Vorjahr eingestellt. Hintergrund hierzu ist unter anderem die gewerbliche Ausbildung in Wülfrath: Hier hat Lhoist zusätzlich drei Ausbildungsplätze zum Industriemechaniker sowie einen weiteren zum Elektroniker geschaffen.

„Wir haben uns schon vor Covid-19 das Ziel gesetzt, Lhoist fit für die Zukunft zu machen und aktiv am Kampf gegen den Klimawandel mitzuwirken. Dazu stellen wir uns in vielen Bereichen neu auf“, so Ripoll.

Klimaneutraler Kalk: Verbesserung des CO2-Fußabdrucks

Auch im Produktportfolio des Kalkproduzenten tut sich etwas für den Klimaschutz: BLUE heißt der klimaneutrale Kalk, mit dem Lhoist den CO2-Fußabdruck verbessert.

„Wir arbeiten tagtäglich an unserer Klima-Mission. Aktuelle Projekte umfassen unter anderem die CO2-Optimierung des Ofenparks, die Nutzung von Grünstrom, die Reduktion des Brennstoffeinsatzes oder den Ausbau der Elektromobilität.“

Durch den Erwerb von BLUE wird der aktuell noch verbleibende CO2-Fußabdruck des Lhoist-Produkts durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten neutralisiert, die ausgeglichene Menge an CO2 wird nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) zertifiziert. BLUE ist daher ein weiterer Schritt auf dem Weg zur CO2-freien Kalkproduktion. In den kommenden zehn Jahren plant Lhoist, aus blauem Kalk grünen Kalk zu machen, der dann gänzlich emissionsfrei hergestellt wird. „Wir sehen uns als Partner unserer Kunden, damit diese ihre eigenen Klimaziele erreichen können. Mit BLUE stellen wir nachhaltiges Wirtschaften in den Mittelpunkt unserer Entscheidungen. Damit wollen wir einen essenziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, sagte Ripoll.

Lhoist weiß: Um eine klimafreie Kalkproduktion zu erreichen, sind neue Technologien notwendig. „Wir bringen deshalb unsere Expertise auch in branchenübergreifende Klimaprojekte ein, sind beispielsweise Mitglied in den Initiativen IN4Climate.NRW und Carbon2Chem®. Darin setzen wir uns für die Forderung nach guten politischen Rahmenbedingungen sowie Lösungen für eine klimafreundlichere Industrie ein“, so Ripoll weiter. Dass ein Unternehmen dabei wirtschaftlich sein müsse, liegt für ihn auf der Hand: „Nur so können wir wieder in nachhaltige Maßnahmen zum Klimaschutz investieren.“

Basis für den Erfolg: Lagerstätten sichern

Momentan ist Lhoist am hiesigen Standort in den Steinbrüchen Rohdenhaus-Nord und Silberberg aktiv. Dabei sind die Arbeiten in Silberberg derzeit am sichtbarsten. Die Erweiterung im Zusammenhang mit der Verlegung des Eignerbaches um den Steinbruch sowie die Arbeiten rund um die Deponie Dachskuhle mit Verlegung des Silberberger Weges laufen nach anfänglicher Verzögerung – auch aufgrund von Corona – jetzt planmäßig. „Derzeit arbeiten wir an der Brücke, die über den neuen Silberberger Weg führen wird. Wir gehen davon aus, dass dieser Ende des zweiten Quartals 2020 fertig ist“, so der Werkleiter.

Lhoist lebt Kalk – mit Verantwortung

Die regionale Verantwortung für Mensch und Natur spiegelt sich seit über 130 Jahren in den Werten von Lhoist wider. „Wir sind stolz auf unsere Geschichte als Familienunternehmen, setzen Maßstäbe und gestalten aktiv unsere Zukunft. Unser Anspruch ist es, jeden Tag ein bisschen besser zu werden und unsere Verantwortung für Mensch und Umwelt wahrzunehmen“, beschreibt Carlos Ripoll.

Unter dem Dreiklang „Wir. Leben. Kalk.“ vereint Lhoist sämtliche Aktivitäten, die auf die Zukunftssicherung des Standorts und damit der Mitarbeitenden, auf eine gute Nachbarschaft vor Ort sowie auf eine hochwertige und nachhaltige Produktion einzahlen.

Informationen zur neuen Leitstelle

In der neuen Leitstelle im Lhoist-Werk Flandersbach werden die Öfen sowie die Kalk- und Kalksteinmahlanlagen digital gesteuert. Über die Monitore überwachen derzeit etwa 30 Mitarbeiter rund um die Uhr, was gerade in den Anlagen passiert. Jeder Mitarbeiter kann das, was er sieht, individuell anpassen und die Videosignale auf die Monitorwand übertragen. Beim Design und bei der Auswahl der Leitstellenausstattung wurde ganz bewusst auf Materialien wie Stahl, Glas und Lack gesetzt. Der von Lhoist gewonnene Kalk ist für die Herstellung all dieser Materialien ein unverzichtbarer Rohstoff. Das Unternehmen hat über 1 Million Euro in die neue Leitstelle investiert.