Corona: IHK beklagt “Dauerstress für die Innenstädte”

799
Gregor Berghausen, IHK-Hauptgeschäftsführer Foto: Mathias Kehren

„Dass der Lockdown light verlängert wird, war absehbar”, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen zu den heutigen Ergebnissen der Bund-Länder-Gespräche. “Besonders bitter ist, dass einzelne – vor allem innenstadtrelevante Branchen – nun zusätzliche Rückschläge hinnehmen müssen. Mittelfristig werden das weder die Betriebe noch die Innenstädte verkraften“,

Zusätzlich belastet würden nun auch Teile des stationären Einzelhandels. „Dass für Kaufhäuser und Einkaufszentren ab einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern eine neue Obergrenze von 20 Quadratmetern pro Kunde gelten soll, ist nicht nachvollziehbar”,so Berghausen. “Der Handel hat flächendeckend seine Hausaufgaben gemacht, Hygienevorgaben eingehalten und eigene, sichere Konzepte umgesetzt. Ein Infektionsherd ist er nicht.“

Ein kleiner Trost sei, dass für kleinere Geschäfte weiterhin die Zehn-Quadratmeter-Regel gelte. Die IHK sieht nun die Gefahr, dass sich mehr und längere Schlangen vor den großen Geschäften bilden, die eigentlich vermieden werden sollten. Im Zusammenspiel mit der Untersagung der vom Land in Aussicht gestellten Sonntagsöffnungen zur Adventszeit sei das ein Doppelschlag für die Branche.

-Anzeige-

Verschärft werde auch das Leiden der arg gebeutelten Gastronomie und Hotellerie. Restaurants, Bars und Kneipen blieben weiterhin geschlossen; die Hotellerie müsse sich mit wenigen Geschäftsreisenden begnügen. „Gerade für diese Branchen ist es wichtig, dass die November- und Dezemberhilfen rasch und unbürokratisch fließen, sonst drohen Insolvenzen“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Nicht besser sei die Lage der Kultur- und Kreativwirtschaft. Vielen Betrieben werde durch die Verlängerung der Maßnahmen weiterhin die Geschäftsgrundlage entzogen. „Neben finanzieller Unterstützung müssen dringend Perspektiven geschaffen werden. So sollten Veranstaltungen unter Beachtung von Hygiene- und Abstandskonzepten schnell wieder möglich sein. Dafür braucht es klare und einheitliche Spielregeln von der Politik“, fordert Berghausen.

Falls es nicht gelinge, diese innenstadtprägenden Branchen zu stützen, sieht die IHK neben den Insolvenzen einzelner Unternehmen eine weitere Gefahr. „Wenn die aktuellen Rahmenbedingungen zum ‚Normalzustand‘ werden, sind die Innenstädte und Stadtteilzentren mittelfristig in ihrer Funktion gefährdet. Soweit darf es nicht kommen. Wir fordern daher, dass bei lokal sinkenden Infektionszahlen das Geschäftsleben schrittweise wieder angefahren werden kann“, erklärt Berghausen.