Corona-Kommentar: Nicht so wie erhofft

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Im Kreis Mettmann ist die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohnern in den letzten sieben Tagen überschritten worden. Foto: pixabay
Symbolfoto: pixabay

In einem Kommentar zur neuen Corona-Lage schreibt Hans-Joachim Kling:

Die Corona-Pandemie geht in eine neue Runde. Bis zum Jahresende sind neue Regeln erlassen worden. Sie waren zu erwarten, weil der Teil-Lockdown nicht so erfolgreich war wie erhofft. Er ist eben ein Kompromiss. In anderen Ländern, in denen alles dicht gemacht wurde, gehen die Zahlen viel schneller nach unten. Jetzt müssen wir mit diesem Kompromiss leben.

Betroffen von den Einschränkungen sind weiterhin Gastronomie, Freizeit und Kultur. Ihre Empörung ist zu verstehen. Ihre Existenzängste sind es auch. Aber was ist die Alternative? Wenn alle wieder aufmachen, gibt es wieder viel mehr Kontakte, mit den bekannten Folgen.

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Empörend finde ich es, dass sich eine Gewerkschaft wie Verdi daran gemacht hat, verkaufsoffene Sonntage gerichtlich verbieten zu lassen. Als wenn es die Geschäfte in diesem Jahr nicht schon schwer genug hätten. Die Menschen, die in den Geschäften arbeiten, sie leben davon, dass es diese Geschäfte (noch) gibt. Offene Sonntage könnten zur Entzerrung des Weihnachtseinkaufs beitragen. Chance vertan.

Empörend finde ich es außerdem, dass es einer Demokratie nicht möglich ist, in den Zeiten einer Seuche Massenveranstaltungen wie Demonstrationen zu untersagen, auch wenn ich die rechtlichen Hintergründe verstehe. Es sind verheerende Bilder für das Verhalten und das Einschätzen der Gefahren der Pandemie. Und genau diese Bilder sind gewollt.

Empörend finde ich es, wie eine Minderheit über diese Pandemie spricht oder berichtet. Bayerns Ministerpräsident, der das ebenfalls empörend findet, hat den Vergleich mit Unglücken ins Spiel gebracht.

Denken wir diesen Gedanken weiter. Mehr als 200 Tote pro Tag sind in etwa täglich ein Flugzeugabsturz. Wie würden wir drauf reagieren? Mit Entsetzen. Und genau das ist auch angesagt, wenn es wie in dieser Woche in Deutschland 400 Tote an einem Tag gibt. Oder 3.000 Tote am Tag in Europa. Am Tag!

Wir leben in der schwierigsten Zeit seit dem zweiten Weltkrieg, hat die Kanzlerin gesagt. Das wollen immer noch zu viele nicht wahrhaben. Ärzte-Organisationen gehen die Ausnahmen, die für Weihnachten und Silvester gemacht werden sollen, zu weit! Denn: Kontakte überhaupt zu vermeiden, ist der beste Schutz. Masken, Abstand, Hygiene sind hilfreich, aber Maßnahmen zweiter Wahl. Sicher ist das alles nicht. Sicher ist nur: Wenn ich niemanden treffe, kann ich mich auch nicht anstecken. Das ist die einzige Sicherheit, die es derzeit gibt.