Teilhabe behinderter Menschen statt Benachteiligung : „Am besten schaffen wir das, wenn wir Vorbild sind“

197
Uli Gaßmann, Pädagogischer Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann. Foto: Lebenshilfe
Uli Gaßmann, Pädagogischer Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann. Foto: Lebenshilfe

Ratingen. Den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung hat die Lebenshilfe im Kreis Mettmann zum Anlass genommen, um den Fokus auf das Thema Teilhabe zu lenken.

Uli Gaßmann, Pädagogischer Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann, beleuchtet das Thema Teilhabe anhand drei konkreter Fragestellungen.

Teilhabe ist ein großer Begriff — was bedeutet das eigentlich konkret?

Uli Gaßmann: „Selbst zu entscheiden, wo man sein Abendbrot isst, zum Beispiel. Wenn ein Bewohner unserer Wohnstätten lieber in seinem Zimmer ein Butterbrot schmieren möchte, statt gemeinsam mit der Gruppe am großen Esstisch zu sitzen — auch das ist Teilhabe. Im Grunde bedeutet Teilhabe, dass Menschen mit Behinderung das Recht haben, ihr Leben nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.

Es ist Auftrag der Lebenshilfe und anderer Träger der Behindertenhilfe, ihnen das zu ermöglichen. Dazu müssen wir Barrieren abbauen und eine Umgebung schaffen, die autonome Entscheidungen ermöglicht. Dabei sehen wir uns als Möglichmacher, die nach Lösungen suchen und nicht vor der Barriere kapitulieren.“

Wo stehen wir aktuell bei der Umsetzung von Teilhabe?

Uli Gaßmann: „Das Bewusstsein in der Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Im Alltag erleben die von uns begleiteten Menschen und auch unsere Mitarbeiter eine große Akzeptanz. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Teilhabe. Gerade von den Kommunen im Kreisgebiet erfahren wir große Unterstützung. Es gibt im Kreis Mettmann viele Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren und sich für Menschen mit Behinderung einsetzen. Das ist eine sehr positive Entwicklung.

Innerhalb der Lebenshilfe hat Teilhabe von Menschen mit Behinderung einen sehr hohen Stellenwert. Durch neue Organisationsstrukturen tragen wir dem Thema Rechnung. Das ist wichtig, um Entscheidungen schnell und unbürokratisch zu treffen — im Sinne von Menschen mit Behinderung und ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

Was kann eine Gesellschaft besser machen, damit Menschen mit Behinderung im Alltag nicht benachteiligt werden?

Uli Gaßmann: „Inklusion kann man nicht diktieren. Es ist unsere Aufgabe, die Gesellschaft in die Lage zu versetzen, Menschen mit Behinderung als selbstverständlichen Teil ihrer selbst zu akzeptieren.

Am besten schaffen wir das, wenn wir Vorbild sind. Wir müssen Inklusion leben und andere damit anstecken. Nur so können Menschen mit Behinderung langfristig zu ihrem Recht kommen.“

Im Jahr 1993 wurde der weltweite Aktionstag der Menschen mit Behinderung erstmals von den Vereinten Nationen ausgerufen. Man will so das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung stärken und den Einsatz für ihre Würde und Rechte fördern.

Menschen mit Behinderungen wollen genauso leben wie nichtbehinderte Menschen. Das ist ihr gutes Recht. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden, so steht es im Grundgesetz.