So läuft es im Impfzentrum des Kreises Mettmann

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Mirko Braunheim sorgt als Leiter des Impfzentrums für die Koordination der Abläufe. Foto: Impfzentrum

Mit dem Auto ist es von Niederberg aus ganz einfach: Hinter dem Neanderthal-Museum den Berg mit den Serpentinen hoch, oben rechts und da ist es schon: das Impfzentrum des Kreises Mettmann. Bestens ausgeschildert und nicht zu übersehen. Wer sich auskennt: Ein Stückchen weiter ist das Neanderbad.

Jedenfalls ist hier heute am Sonntag eine Menge los am Timocom-Platz, benannt nach der IT-Firma, in deren Gebäude der Kreis Mettmann sein Impfzentrum eingerichtet hat. Autos parken am Straßenrand, der Parkplatz ist voll, vor dem Haus stehen Schlangen.

„Das ist nicht immer so“, sagt Mirko Braunheim später in der Woche im Gespräch. „Manchmal steht auch keiner vor der Tür“, berichtet der organisatorische Leiter des Impfzentrums. In Nicht-Corona-Zeiten ist Braunheim stellvertretender Kreisbrandmeister. Seit Beginn des Jahres ist es sein Job, die Abläufe rund um das Impfen im Auftrag des Kreises zu koordinieren.

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Am Tor muss ich meine Impfeinladung das erste Mal vorlegen. „Astra Zeneca“, erkennt der Helfer auf dem Ausdruck. „Bitte den roten Pfeilen nach, einmal ums Haus herum!“ Ich muss mich gar nicht in der langen Schlange anstellen. Das ist die „Biontech“-Schlange. Ich gehöre, wie ich am nächsten Schild erkenne, zum „Sonderkontingent“, das entstanden ist, weil Astra Zeneca plötzlich nur noch an Menschen über 60 „verimpft“ werden soll. Das erste Mal im Leben erfahre ich, dass es auch ein Vorteil sein kann, etwas älter zu sein.

Mirko Braunheim erzählt, wie es dazu kommt, dass die Menschen vor dem Haus Schlange stehen. Zum einen, weil es drinnen gar nicht so viel – corona-konforme – Wartezonen gibt. Zum anderen aber, und das ist der Hauptgrund, weil viele sich nicht an ihren Termin halten und viel zu früh da sind. Dann knubbelt es sich halt.

In meinem Zelt „Sonderkontingent“ werden wir empfangen, geben die Unterlagen ab, die in eine Mappe gesteckt werden und dürfen uns in den Wartebereich setzen. Dann werden Gruppen verschiedener Größe aufgerufen. Bei der dritten bin ich dabei. Es geht wieder ums Haus herum zum Vordereingang. Dort stehen wir in Schlange drei. Und werden auch bald aufgerufen. Jetzt geht es ins Haus. Über all steht jemand, der uns den Weg weist.

70 Helferinnen und Helfer sind es, die pro Schicht im Impfzentrum im Einsatz sind. Leute vom Roten Kreuz sind dabei, Bundeswehrsoldaten auch, Ärzte und Hilfskräfte, Apotheker und deren Unterstützung, einen Sicherheitsdienst hat der Kreis auch noch beauftragt. „Wie kriegt man das bloß alles hin“, geht mir bei meinem Besuch durch den Kopf.

„Besucherlenkung“, wie Braunheim es nennt, ist eine der Aufgaben der fünfköpfigen Koordinierungsstelle. Zur groben Übersicht: Der Kreis Mettmann ist für den organisatorischen Teil zuständig, die Kassenärztliche Vereinigung für das eigentliche Impfen.

Impfzentrum arbeitet in zwei Schichten pro Tag / Jede Schicht hat etwa 70 Einsatzkräfte, darunter bis zu zehn Ärzte und Ärztinnen.

Meine siebenköpfige Gruppe kommt ins nächste Wartezimmer. Hier werden wir einzeln oder als Paare aufgerufen. Kurz denke ich: Jetzt geht es zum Impfen. Falsch. Jetzt geht es zu einem Mann am Computer, der meine Daten aufnimmt und die Impfbescheinigung schon mal ausdruckt. Diese wird später meine Ärztin unterschreiben.

Bei der Anmeldung wurde ich nach einem Impfpass gefragt. In meinen Unterlagen stand nichts davon. „Kann man mitbringen, muss man aber nicht“, erklärt Braunheim. Eine Bescheinigung bekommt man auch so. Der Maskierte an der Anmeldung legt alle Unterlagen so in meine Mappe, dass ich sie zum zweiten Impftermin einfach nur unverändert mitbringen kann. Das ist aber ohnehin erst in zwölf Wochen – bei Astra Zeneca jedenfalls.

Im Strom der Besucherlenkung müssen wir vom „Sonderkontingent“ jetzt in den vierten Stock. Das kann man auch zu Fuß machen, muss man aber nicht, wenn man oben nicht außer Atem sein will.

Jetzt geht es nun wirklich zum Impfen. Nach einem Jahr Pandemie. Nach einem Jahr, das das Leben und Denken verändert hat wie nichts in meinem bisherigen Leben. Und dann das: Die Ärztin kommt rein. Fragt, ob ich noch Fragen habe. Habe ich nicht. Der linke Oberarm wird desinfiziert. Spritze rein. Fertig. Ich bin geimpft. Ich frage noch, ob es immer so voll ist wie heute. „Wir impfen 1.800 Leute am Tag“, erzählt sie.

„Sogar bis zu 2.100“, ergänzt Mirko Braunheim später in der Woche in unserem Gespräch. In der Spitze können im Haus zehn „Impfstraßen“ angelegt werden, das heißt, bis zu zehn Ärzte und Ärztinnen impfen gleichzeitig an bis zu vier „Impfplätzen“. Das wiederum bedeutet: In bis zu vier benachbarten Räumen warten „Impflinge“ und der Arzt geht vom einen zum anderen. Klingt wie Fließband, ist aber einfach nur gut organisiert.

Und vor allem: Die Menschen, die uns den Weg weisen und betreuen, sind unglaublich freundlich. Das nimmt dann doch ein wenig von der Aufregung.

Was mir bei meinem Besuch gar nicht aufgefallen ist: Wir befanden uns in einem Einbahnstraßen-System. Das soll sicherstellen, dass es keinen Begegnungsverkehr der Impflinge gibt. Wäre ja auch blöd, sich ausgerechnet beim Impfen doch noch anzustecken.
Ich sitze nochmal – mit reichlich Abstand zu anderen Maskenträgern – in einem Wartebereich. Hier soll sichergestellt werden, dass bei einer allergischen Sofortreaktion der Patient nicht schon im Auto auf dem Weg nach Hause sitzt, sondern akut Hilfe erhalten kann.

Ich habe in den ersten 24 Stunden gar keine Reaktion, am zweiten Abend danach verziehe ich mich dann doch „grippig“ ins Bett. Eine Tablette brauche ich nicht.

„Eine Viertelstunde“ dauert der eigentliche Ablauf vom Empfang bis zur Impfung, erklärt Braunheim. Danach soll man noch eine halbe Stunde warten, bevor man das Haus verlässt. Ob es vorher eine Wartezeit gibt, lässt sich nicht beeinflussen. Außer alle würden sich einigermaßen an ihre vorgegebene Zeit halten.

Außerdem: Wir haben mehr als ein Jahr gewartet. Bei diesem Gedanken bekomme ich doch noch Gänsehaut und Glücksgefühl. Das Wichtigste ist geschafft.

Weitere Einzelheiten:

Das Impfzentrum des Kreises ist sieben Tage in der Woche von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Gearbeitet wird in zwei Schichten mit jeweils etwa 70 Einsatzkräften, darunter bis zu zehn Ärztinnen und Ärzte.

Mit Ausnahme der Lieferungen an die Hausärzte ist das Zentrum für die Bestellung aller Impfstoffe im Kreis Mettmann zuständig.

Ursprünglich war das Zentrum dafür geplant, 1.680 Menschen am Tag impfen zu können. Heute werden bis zu 2.100 Impflinge geschafft.

Neben den Parkplätzen auf dem Gelände am Timocom-Platz stehen weitere Plätze am Neanderbad zur Verfügung. Die Besucher des Zentrums werden gebeten, nicht im Halteverbot an der Bessemer Straße zu parken, weil dann insbesondere der Zulieferverkehr der umliegenden Firmen behindert wird. Es wird kontrolliert.