Kommentar zur Bundes-Notbremse: Ausgangssperre kann helfen

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Einsam steht der Kalker in der Wülfrather Fußgängerzone. Jetzt kommt auch noch eine nächtliche Ausgangssperre. Foto: Kling

Heute tritt das geänderte Infektionsschutzgesetz in Kraft. Es umfasst die sogenannte „Bundes-Notbremse„. Dazu ein Kommentar:

Nach fast 14 Monaten Pandemie ist es bei manchen Menschen inzwischen üblich, alles anzumeckern und in Frage zu stellen, was da nun schon wieder Neues „von denen da oben“ beschlossen wird. Im aktuellen Fall ist es insbesondere die Ausgangssperre, die der Kritik ausgesetzt ist.

Wer die Lage allerdings international verfolgt, kann sich auch fragen, warum Deutschland mehr als ein Jahr dafür gebraucht hat. Denn Studien zufolge kann eine Ausgangssperre deutlich dazu beitragen, dass sich weniger Menschen neu anstecken.

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Das dürfte weniger damit zu tun haben, dass sich die Leute nicht mehr draußen versammeln. Vielmehr hat die Ausgangssperre wohl den Effekt, die privaten Kontakte einzuschränken, die ja ganz offensichtlich trotz aller Beschränkungen weiterhin stattfinden. Und sei es nur, dass ein Paar am Freitagabend ein anderes trifft, am Samstag dann wieder ein anderes und immer so weiter.

Private Kontakte sind es nach Auffassung vieler Experten, die dazu beitragen, dass die Zahlen trotz aller Beschränkungen weiter in die Höhe schießen. Vielleicht hätte man rund um die Ferien endlich einen richtigen Lockdown machen sollen, damit die Seuche uns nicht auch noch den Sommer versaut.

Und vielleicht würde das endlich auch mal all denen eine Perspektive bieten, die seit Monaten geschlossen haben.

Andere Kritiker meinen, die Zahl der Neuansteckungen sei nicht mehr die richtige Orientierungsgröße, um die Lage zu beurteilen. Das mag angehen, vielleicht sollte man dann aber die Auslastungen der Intensivstationen als Maßstab nehmen. Aber auch dann müssten die Regelungen aktuell noch deutlich einschränkender ausfallen.

Es gibt inzwischen Intensivstationen, die kein Betten-, sondern ein Personalproblem haben. Weil die Menschen dort einfach nicht mehr können.

Vielleicht sollten wir einmal eine Woche lang nur an die Situation der Ärzte und Pflegekräfte auf diesen Stationen denken. An die, die dort als Patienten liegen, wie an die, die dort arbeiten müssen. Und zwar auch mehr als ein Jahr lang inzwischen. Jeden Tag.

Vielleicht kehrt dann etwas zurück von der Demut, die beim Durchleben der Seuche hilfreicher sein kann, als ständig eine Wut über die Einschränkung unserer Freiheitsrechte zu aktivieren.