Corona-Zahlen im Kreis Mettmann: „Sind wieder auf Ballhöhe“

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Mettmann ist ein überdurchschnittlich alter Kreis, sagt Kreisdirektor Martin M. Richter. Foto: Kreis Mettmann

Während bundes- und landesweit die Zahlen der Neuinfektionen mit Corona gesunken sind, erreichten sie um das vergangene Wochenende herum im Kreis Mettmann Rekordhöhen. Was war geschehen? 

„Glauben Sie mir, diese Frage hat mich auch das ein oder andere Mal erreicht“, sagt Kreisdirektor Martin M. Richter. Erst war die Zahl der Neuinfektionen auf 152 pro 100.000 Einwohner gesunken. Und in seiner Funktion als Schuldezernent habe er sich schon Hoffnung gemacht, die Schulen bald wieder für Wechselunterricht öffnen zu können.
Doch dann habe sich herausgestellt, dass dieser Wert „unrealistisch günstig“ war, wie Richter es nennt.

Durch Urlaubsabwesenheit und Krankheitsfälle habe es Personalmangel im Gesundheitsamt gegeben. So seien nicht alle Neuinfektionen in die Statistik eingegangen. Als diese dann nachgetragen wurden, schossen die Infektionszahlen für den Kreis Mettmann in die Höhe. Am Montag, 10. Mai, wurde der letzte Höchststand mit 224,5 erreicht. „Aber inzwischen sind wir wieder auf Ballhöhe“, sagt Richter.

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Außergewöhnlich hoch waren die Zahlen im Kreis Mettmann auch schon, bevor es zu den geschilderten Schwankungen kam. Warum ist das so?

„Die Infektionslage ist nach wie vor sehr diffus“, berichtet die Kreisverwaltung. Es könnten keine besonderen Hotspots ausgemacht werden. Zwar habe es zuletzt einige Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften gegeben, doch selbst wenn man diese aus den Infektionszahlen herausgerechnet hätte, wäre die Inzidenz im Kreis nicht unter den Schwellenwert von 165 gesunken, berichtet Kreissprecherin Daniela Hitzemann.

Wo stecken sich die Menschen an? „Vor allem im privaten beziehungsweise familiären Bereich“, berichtet die Kreisverwaltung. „Zuhause“, sagt Martin M. Richter. Das sei auch gerade in „besonders verdichteten Wohngebieten“ der Fall, erklärt der Kreisdirektor. Der Kreis bereite sich logistisch darauf vor, in sozial benachteiligten Stadtteilen mobil zu impfen, wenn der Erlass des Landes dazu ergehen sollte.

Im Gespräch ist der Kreis Mettmann auch wegen besonders vieler Todesfälle, wenn man sie im Vergleich zur Einwohnerzahl setzt. In dieser Statistik soll der Kreis Mettmann sogar eine Zeitlang an der Spitze gestanden haben. Stimmt das?

„Das ist zutreffend“, berichtet Martin M. Richter. Der Kreis Mettmann sei nicht nur ein sehr reicher Kreis in einem „wirtschaftlichen Speckgürtel“, sondern auch durch Zuzug ein „überdurchschnittlich alter Kreis“. Das könne man auch daran sehen, dass die Impfungen in Alten- und Pflegeheimen im Kreis Mettmann „deutlich länger gedauert“ hätten als in vergleichbaren jüngeren Kreisen oder Städten.

Wie geht es jetzt weiter? Beim Kreis rechnet man damit, dass die Infektionszahlen weiter sinken. Kreisdirektor Richter hat die Hoffnung, dass in den Schulen „vielleicht nach Pfingsten“ wieder mit dem Wechsel-Unterricht begonnen werden könne. „Aber ich kann das nicht zusagen“, betont Richter. Denn dazu müssten die Inzidenzzahlen an fünf Tagen nacheinander unter dem festgelegten Grenzwert von 165 liegen. Und da muss der Kreis Mettmann erst einmal hinkommen.

„Wir stellen massiv Leute ein“

Etwa 180 Menschen arbeiten aktuell im Gesundheitsamt des Kreises. Das sind nach Angaben von Kreisdirektor Martin M. Richter ungefähr doppelt so viele wie normal. „Wir stellen massiv Leute ein“, sagt Richter, „aus unterschiedlichen Quellen“.

Als Schuldezernent macht Richter darauf aufmerksam, dass sich inzwischen „alle in den weitergehenden Schulen“ (also nicht nur die Lehrkräfte) um einen Impftermin bei der Kassenärztlichen Vereinigung bemühen dürfen.

„Bei uns wird kein Impfstoff verworfen“, erklärt der Kreisdirektor. Für den Fall, dass im Impfzentrum Reste aus angebrochenen Impfdosen anfielen, gebe es eine Liste von Menschen, die nach geltender Rechtslage geimpft werden dürften.

Kreisdiretor in der dritten Amtszeit

Martin M. Richter, Jahrgang 1958, ist seit 2004 Kreisdirektor beim Kreis Mettmann. 2020 hat der Kreistag ihn einstimmig für acht Jahre in seine dritte Amtszeit gewählt. Richter ist allgemeiner Vertreter von Landrat Thomas Hendele in dessen Funktion als Behördenchef. Martin M. Richter lebt in Mettmann, wo er vor seiner Zeit beim Kreis auch als Beigeordneter in der Stadtverwaltung beschäftigt war.

Einen Kommentar zur Lage lesen Sie hier.