IG Bau mahnt: Minjobs „alles andere als krisenfest“

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In der Gebäudereinigung sind Minijobs stark verbreitet – und würden für die Betroffenen häufig zur Armutsfalle, so die IG BAU. Sie fordert, 450-Euro-Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen. Foto: IG BAU
In der Gebäudereinigung sind Minijobs stark verbreitet – und würden für die Betroffenen häufig zur Armutsfalle, so die IG BAU. Sie fordert, 450-Euro-Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen. Foto: IG BAU

Kreis Mettmann. Wenn der Minijob zur Falle wird: Im Kreis Mettmann sind im vergangenen Jahr rund 2.400 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hin.

Innerhalb von zwölf Monaten sank ihre Zahl um fünf Prozent auf zuletzt 44.000, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich hierbei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

„Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben“, kritisiert Uwe Orlob.

Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Düsseldorf fordert, Lehren aus der Pandemie zu ziehen
und Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden.

In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet und
würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. Die Industriegewerkschaft erläutert zu den Zahlen: „Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen im Kreis Mettmann Ende vergangenen Jahres rund 1.900 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind 45 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche.“

Die IG BAU rät Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen.

„Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die
Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse
sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen“,
so Orlob. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-,
Pflege- und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie wirksam geschützt werden.

Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform
der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend
anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf 550 Euro sei
hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie
einzudämmen, warnt die Industriegewerkschaft.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie
bundesweit 870.000 Minijobs verloren gegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche
Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige
Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp
170.000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen.