Demenz: Was die Krankheit mit Angehörigen macht

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Kreis Mettmann. Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Helmut Hoyer, Vorstandsmitglied der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Mettmann e.V., hat zu dem Thema einen Beitrag verfasst:

„Demenz – genau hinsehen“ ist das Leitthema des diesjährigen Weltalzheimertages und soll einen auf die möglichen Anfänge einer Demenz hinweisen. Man muss aber auch einmal genau hinsehen, was diese Krankheit mit den Angehörigen macht.

Seit Beginn der Berichterstattung über diese herausfordernde Krankheit gibt es zahllose Veröffentlichungen von namhaften Autoren, Ärzten, Psychologen und anderen. Es gibt Fachbücher jeglicher Art mit viel Fachwissen, zahlreiche Angehörige, Ehefrauen und Ehemänner, Kinder und Enkel von an Demenz Erkrankten haben ihre Erlebnisse in Buchform niedergeschrieben mit liebevollen Erinnerungen und mit allen Schwierigkeiten und Widrigkeiten, Widersprüchen, manchen unerklärlichen Begebenheiten, hilflosem Verhalten und der Ohnmacht, oft nicht helfen zu können.

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Verschiedene Hilfsorganisationen bieten ihre Hilfe an, neben der „Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz“ gibt es Landesverbände, regionale Gruppierungen, darunter auch die „Alzheimer – Gesellschaft Kreis Mettmann e.V. – Selbsthilfe Demenz“. Sie alle bieten Hilfe und Unterstützung in unterschiedlichen Bereichen an, wie man mit der Krankheit und den damit Betroffenen umgehen kann.

Dann gibt es noch die zahlreichen, in ihrer Struktur unterschiedlichen Selbsthilfegruppen, die von einem Gruppenmitglied, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter/in oder auch von einer Fachkraft und einem Angehörigen begleitet werden. Sie alle zusammen haben das Ziel: Wie bewältige ich die Belastungen, wie gehe ich mit dem Erkrankten um und was passiert mit mir als pflegendem Angehörigen? Wobei die Probleme der Angehörigen von Menschen mit Demenz völlig andere sind als bei denen, die einen körperlich pflegebedürftigen Menschen versorgen.

Der Schreiber dieses Artikels begleitet seit Jahren eine Angehörigengruppe und hat immer wieder neben anderen zu lösenden Problemen festgestellt, dass der wertschätzende Umgang mit den Erkrankten die größten Probleme bereitet.

Ein Buch darüber zu lesen ist das eine, Verhaltensweisen, die in einem von Fachleuten veröffentlichen Buch zunächst einleuchtend, plausibel und logisch erscheinen, sind in der praktischen Umsetzung in den Alltag auf einmal etwas ganz anderes, weil man es dann mit einem Menschen zu tun hat, der einem etwas bedeutet. Es kostet große Überwindung, weil es mit Misstrauen, Anschuldigungen, Beleidigungen und Zurückweisung zu tun hat, für die es keine Handlungsanweisungen gibt und die für einen Angehörigen nur schwer zu verstehen und zu ertragen sind. Dadurch kommt es oft zu einem falschen Verhalten durch Unkenntnis. Es kostet Zeit, Geduld und viel Verständnis, um sich auf die Gedankenwelt und das Verhalten des Kranken einzulassen und zu akzeptieren. Man muss auf der Ebene des Kranken eine Kommunikationsform entwickeln, die es dem Erkrankten ermöglicht möglichst lange sein Selbstwertgefühl und seine Würde aufrecht zu erhalten. Der Alltag gestaltet sich in vielen Bereichen sehr problematisch, oft völlig anders als die Lehrbücher es vorgeben.

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Der zweite große Problemkreis besteht in der Bewältigung gerade dieses Alltags mit dem Erkrankten. Was mache ich, wenn mir mein Mann auf Schritt und Tritt hinterher-läuft, wenn die Nahrungsaufnahme verweigert wird, wenn Beschuldigungen erhoben werden (du hast meine Uhr gestohlen). Wie werde ich mit dem Hygieneproblem fertig, was mache ich bei der Medikamentenverweigerung oder die totale Verweigerung eines Arztbesuchs? Wie kriege ich jemanden dazu nicht mehr mit dem Auto zu fahren, wenn er nicht mehr in der Lage dazu ist, ohne ihn zu verletzen?

Dazu muss man wissen, dass es demente Menschen vorzüglich verstehen, nach außen noch lange eine Fassade aufrecht zu erhalten und Weltmeister im Vertuschen sind. Damit verbunden ist oft ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil im Zusammenhang mit vertuschen und Fassade dem Angehörigen nicht geglaubt wird, was diesen zusätzlich belastet.

Wenn auch anfangs die Betreuung noch keine Probleme bereitet, nimmt der Bedarf doch immer mehr zu, zumal im Verlauf der Krankheit auch körperbezogene Pflegetätigkeiten hinzukommen. Es geschieht nichts mehr selbständig, die Unruhesymptomatik nimmt zu, die Aggressivität nimmt möglicherweise zu. Es kommt zur ständigen Aufsicht in allen Bereichen. Betreuung und Pflege nehmen einen immer grösser werdenden Umfang an. Die eigenen Interessen und die Selbständigkeit werden stark reduziert.

Der Angehörige ist gut beraten, sich an Pflegeberatungen zu wenden, um Kenntnis über die zahlreichen Hilfsangebote zu erlangen, die es inzwischen in fast allen Städten gibt. So auch die „Pflegeselbsthilfe Kontaktstelle der Alzheimer – Gesellschaft Kreis Mettmann e.V. – Selbsthilfe Demenz“ Düsseldorfer Str.20 in 40822 Mettmann.

Es ist wichtig, nach Entlastungsmöglichkeiten zu suchen, um die eigenen Kraftreserven zu erhalten. Ein erster Schritt wäre ein Besuch in einer Selbsthilfegruppe, in der man wertvolle Tipps bekommt und erfährt, wie andere mit den Problemen umgehen. Und man hört auch, dass man nicht alleine ist.

Die Alzheimer-Gesellschaft Kreis Mettmann bietet am 21. September einen Beratungstag an. Mehr dazu steht hier.