Brexit-Bürokratie: Auch den Weihnachtsstollen hat es erwischt

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Der Brexit treibt die Unternehmen weiter um. Foto: pixabay
Der Brexit treibt die Unternehmen weiter um. Foto: pixabay

Düsseldorf. Die Industrie- und Handelskammer zieht Bilanz zum Brexit und zu den bürokratischen Hürden, die Unternehmen überwinden müssen.

„Wer seinen britischen Geschäftspartnern zum Jahresende 2021 eine Flasche Wein oder einen ‚German Christstollen‘ als Aufmerksamkeit zukommen lassen wollte, hat sich die Augen gerieben über Gebühren in dreistelliger Höhe für Versand, Verzollung und Abwicklung der Ware”, bringt Ralf Schlindwein, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf, die jüngsten Erfahrungen mit dem Brexit auf den Punkt.

Insgesamt, so Schlindwein, habe das erste Jahr nach dem Brexit den Unternehmen im IHK-Bezirk Düsseldorf einiges abverlangt. Entsprechend hoch sei deren Beratungsbedarf gewesen: Die Webseite der IHK Düsseldorf wurde im vergangenen Jahr über 19.000-mal angeklickt, tausende Anfragen erreichten die IHK per Telefon oder E-Mail und rund 500 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter hat die IHK 2021 in den neuen Regelungen zum Waren- und Dienstleistungsverkehr mit Großbritannien geschult.

Obwohl sich die Unternehmen mit UK-Geschäft im IHK-Bezirk Düsseldorf gut auf den Brexit vorbereitet hätten, sei der Start zu Jahresbeginn 2021 alles andere als störungsfrei verlaufen. Insbesondere neue bürokratische Anforderungen, das Nadelöhr Calais/Dover und die mangelhafte administrative Vorbereitung seitens des britischen Zolls hätten für erhebliche Verzögerungen im deutsch-britischen Warenverkehr gesorgt, gibt Schlindwein zu bedenken.

Da Im- und Exporte aus und nach Großbritannien seit einem Jahr beim EU-Zoll angemeldet werden müssen, hat sich der Bürokratieaufwand deutlich erhöht. Darüber hinaus mussten die Unternehmen ihre Warenwirtschaftssysteme sowie die Registrierungspflichten beim Zoll anpassen. „Insbesondere bei Exporteuren mit wenig Erfahrung bei Geschäften außerhalb der EU war der Frust entsprechend groß“, so Schlindwein. Neben dem Mehraufwand und den damit verbundenen Kostensteigerungen in der Logistik gehören Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen in Großbritannien sowie zunehmend auch der Fachkräftemangel, neue Handelsbarrieren und Lieferengpässe vor Ort zu den aktuellen Herausforderungen für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

„Der reibungslose Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Deutschland und Großbritannien gerät sowohl im Zollbereich, bei der Arbeitnehmermobilität und bei Handelskonflikten, die zusätzlich Rechtsunsicherheit und Investitionszurückhaltung erzeugen, immer mehr aus dem Takt“, betont Schlindwein. Ferner ständen 2022 auch noch die Nachverhandlungen zum Irland/Nordirlandprotokoll auf der wirtschaftspolitischen Agenda.

Unterstützung bei Fragen zum Geschäft mit Großbritannien bietet auch weiterhin der IHK-Brexit-Helpdesk unter 0211 3557 342 (Savas Poyraz) und 0211 3557 217 (Robert Butschen).