Mixed-Reality Zeitreise: Stadtrundgang im Jahr 1887

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Ein Mann mit einer VR-Brille. Foto: pixabay/symbolbild
Ein Mann mit einer VR-Brille. Foto: pixabay/symbolbild

Essen. Mit einer digitalen Zeitreise ins Jahr 1887 sorgt die Stadt Essen nach eigenem Bekunden für eine Weltneuheit.

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Vom kommenden April an können sich Interessierte auf eine visuelle und akustische Wanderung durch die Innenstadt der Ruhrmetropole begeben und Geschichte auf eine völlige neue Art erleben. «Essen 1887 – eine Mixed-Reality-Zeitreise» heißt das aufwendige und den Machern zufolge bislang einmalige Projekt, mit dem die Stadt im Herzen des Reviers Vorreiter sein will.

«Nur vor den Augen entsteht dank neuester Technik das Jahr 1887. Sie sehen Kutschen, Tiere, Gebäude und Menschen in altertümlichen Gewändern und Charaktere, die mit Ihnen agieren – so realitätsgetreu, als würden sie leibhaftig vor Ihnen stehen» – so wirbt die Stadt auf der Homepage für den Trip in die Geschichte. Das Besondere im Gegensatz zum Tragen einer 3D- oder Virtual-Reality-Brille: Die Nutzer erleben historische Kulissen und Personen, ohne die reale Umgebung aus den Augen zu verlieren.

So funktioniert es: Bei einem knapp zweistündigen Rundgang durch die Essener Innenstadt, der 25 Euro kostet, überlagert die virtuelle Welt an bestimmten digitalen Punkten, sogenannten Markern, das, was alle anderen sehen. Man begegnet Menschen aus dem Jahr 1887, die von Schauspielern wie Henning Baum, Alicja Rosinski, Tatjana Clasing oder auch dem Essener TV- und Sternekoch Nelson Müller gespielt werden.

Die Besucher können durch Fenster in die Stube des alten Essener Rathauses blicken, der Beerdigung des Großindustriellen Alfred Krupp beiwohnen oder mit Wilhelmine Grillo (gespielt von Tatjana Clasing) an der Gründung des bekannten Grillo-Theaters teilhaben. Auch Entertainer Harry Wijnvoord sorgt als «Illusionist» für überraschende Momente, verspricht Essen Marketing. Die Stadt spanne den Bogen in die Zeit des 19. Jahrhunderts mit seinen großen Pionieren.

Das Verfahren ist extrem aufwendig. In einem Spezialstudio im niederländischen Eindhoven agierten die Akteure vor rund 80 Kameras, gefilmt wurde im 360-Grad-Verfahren. So entstanden Bilder und Sequenzen, die einem beim Stadtrundgang mit der Spezial-Brille den Eindruck vermitteln, man befinde sich im Jahr 1887.

Obwohl es erst am 1. April 2022 losgeht, ist das Interesse an dem ungewöhnlichen Angebot riesig. Allein in den ersten zehn Tagen nach dem Verkaufsstart veräußerte Essen bereits mehr als 3000 Tickets, Gutscheine und Termine. «Es verkauft sich wie geschnitten Brot», sagte ein Essener Marketingsprecher.