Abellio-Aus: Bahnverkehr am Morgen ohne größere Probleme

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Ein Mitarbeiter der DB-Regio entfernt von einem Nahverkehrszug den Schriftzug
Ein Mitarbeiter der DB-Regio entfernt von einem Nahverkehrszug den Schriftzug "Abellio". Foto: Roland Weihrauch/dpa

Düsseldorf. Der zweitgrößte Regionalzuganbieter in NRW Abellio ist Geschichte. Um Mitternacht stellte das Unternehmen sein Angebot ein. Drei andere Betreiber übernehmen. Das hat recht gut geklappt, der Wechsel kostet den Steuerzahler aber viel Geld.

Nach dem Ausscheiden des Regionalbahn-Unternehmens Abellio in Nordrhein-Westfalen hat die Übernahme der Linien durch andere Anbieter am Dienstagmorgen ohne größere Probleme geklappt. «Die Züge rollen», sagte eine Sprecherin von DB Regio. «Alles unauffällig, auch bei der S-Bahn Rhein-Ruhr».

Die Bahntochter DB Regio sowie National Express und das Dürener Unternehmen Vias haben seit Dienstag um 0.00 Uhr die Verkehrsleistungen von Abellio für zwei Jahre übernommen. Abellio war bis dahin der zweitgrößte Schienenpersonenverkehrsanbieter in NRW, hatte aber tiefrote Zahlen geschrieben und steckt in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren.

Es geht unter anderem um wichtige Pendlerrouten für NRW wie den RE 1 (Hamm-Aachen), um das S-Bahn-Netz im Ballungsraum Rhein-Ruhr und die grenzüberschreitende Linie RE 19 von Duisburg über Wesel nach Arnheim. Der RE 19 fahre auch grenzüberschreitend in die Niederlande, «die ersten Züge sind durch», sagte ein Vias-Sprecher. Am Vortag habe es noch Unsicherheiten gegeben, ob die Einfahrt in die Niederlande auch für den neuen Betreiber möglich sein werde.

Abellio hatte bis zum Montagabend noch planmäßig verkehrt. Dann waren – für die Bahn beispielsweise in einem DB Regio-Wartungswerk in Essen – von den Regionalzügen Abellio-Logos entfernt und die Zeichen der Nachfolgeanbieter angebracht worden.

Die Abellio Rail GmbH in NRW wird ab Februar liquidiert. Von ihren zuletzt 1080 Lokführern, Zugbegleitern und anderen Beschäftigten kamen zwischen 90 und 95 Prozent bei den drei Nachfolgebetreibern unter, wie aus informierten Kreisen verlautete. Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahn hatte in NRW seit Ende 2005 Regionalzugverbinden angeboten. Der erste Abellio-Zug in NRW war am 11. Dezember 2005 zwischen Bochum und Gelsenkirchen (RB 46) gefahren.

Noch bis Ende Februar gilt ein Übergangsfahrplan für die bisherigen Abellio-Linien, der insgesamt weniger Züge vorsieht als im Normalbetrieb. Grund für das abgespeckte Angebot sind Personalengpässe.

Das vorzeitige Abellio-Aus und das kurzfristige Einspringen der drei anderen Bahn-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen verursachen allein bis Ende nächsten Jahres Mehrkosten von rund 167 Millionen Euro. Das hatte das NRW-Verkehrsministerium vor kurzem mitgeteilt. Das Geld werde etwa für das kurzfristige Einstellen von neuem Personal und Ersatzverkehre per Bus in der Zeit des Übergangs benötigt.