Kindermedizin-Professor gegen Kita- und Schulschließungen

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«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Armin Weigel/dpa/Illustration
«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Armin Weigel/dpa/Illustration

Düsseldorf. Corona-Infektionen sind nach Beobachtung von Medizinern bei kleineren Kindern in der Regel nicht sehr stark. Kinderärzte halten drastische Maßnahmen nicht für notwendig.

Trotz der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen auch bei Kinder und Jugendlichen hält der Kindermedizin-Professor Tobias Tenenbaum flächendeckende Schließungen von Schulen und Kindergärten für nicht notwendig. Die Belastung für Kinder wäre bei Schließungen im Verhältnis zu einer Covid-19-Erkrankung viel höher, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie am Donnerstag. Schon die vergangenen Lockdowns hätten zu einer signifikanten Zunahme von Fettleibigkeit, Spielsucht und psychischen Problemen bei Kindern geführt.

Der Nachweis einer Corona-Infektion bedeute nicht gleich eine Erkrankung, sagte der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Lichtenberg in einer Online-Pressekonferenz mit dem nordrhein-westfälischen Vize-Ministerpräsidenten Joachim Stamp (FDP). Auch die Schwere der Erkrankung sei im Kindes- und Jugendalter «relativ überschaubar» und stehe im Gegensatz zu den hohen Infektionszahlen. «Das heißt: Die Kinder bleiben sehr kurz im Krankenhaus, teilweise nur eine Nacht, und gehen dann wieder nach Hause», sagte Tenenbaum. Belastbare Daten für die Krankheitslast bei Kindern und Jugendliche durch die Omikron-Variane stehen laut der Fachgesellschaft aber noch aus.

Im Schnitt würden derzeit nach aktuellen Umfragen zwei infizierte Kinder pro Tag in den Kinderkliniken aufgenommen. Die Kinder könnten aber schon nach einem Tag oder zwei Tagen wieder nach Hause. Zu etwa 60 Prozent seien der betroffenen Kinder unter einem Jahr oder ein Jahr alt. Das bei Erwachsenen relevante Long Covid-Problem als Folge einer Covid-19-Erkrankung ist nach Worten Tenenbaums bei Kindern noch nicht genau beschrieben. Nach Schätzungen liege der Anteil von betroffenen Kindern aber unter einem Prozent. Bei Kindern seien laut einer neuen Studie die Covid-Symptome in der Regel nach fünf Monaten verschwunden.

Für NRW sagte Landesfamilienminister Stamp, dass flächendeckende Schließungen weiterhin verhindert werden sollten. Auch bei Stundenreduzierungen und der Gruppentrennungen würde es Infektionen geben. Das würde dann die Familien noch stärker belasten. «Würden wir flächendeckend für mehrere Wochen schließen, wäre das aus meiner Sicht nicht zu verantworten», betonte der FDP-Politiker. Auch die dann zu organisierende Notbetreuung wäre nicht vor der grassierenden Omikron-Variante gefeit.

Zugleich sprach sich Stamp gegen eine Testpflicht für Kita-Kinder aus. Damit drohe man besonders Kinder aus bildungsfernen und schwierigen Verhältnissen zu verlieren. Die meisten Eltern testeten ihre kleinen Kinder ohnehin konsequent.