Kölns Ersatz-Chef Pawlak versichert: Bin kein Baumgart-Klon

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Andre Pawlak, Co-Trainer vom Fußball-Bundesligist 1. FC Köln, leitet eine Trainingseinheit. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild
Andre Pawlak, Co-Trainer vom Fußball-Bundesligist 1. FC Köln, leitet eine Trainingseinheit. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Köln. Kölns Chef-Trainer Steffen Baumgart wurde am Mittwoch positiv auf Corona getestet. Im Spiel gegen Freiburg ersetzt ihn sein Assistent André Pawlak. Der kriegt vollkommen freie Hand. Und will die Aufgabe auf seine Art lösen.

Nein, als Klon seines Chefs Steffen Baumgart will André Pawlak am Samstag nicht auftreten. «Ich werde keine Schiebermütze aufsetzen», sagte der 50-Jährige mit einem Lächeln: «Und ich werde auch sicher nicht im T-Shirt dastehen.»

Ein Cheftrainer mit der zum Kult gewordenen grauen Schiebermütze und selbst bei drei Grad im Polo-Shirt und Anglerweste am Spielfeldrand – das ist beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln längst zum gewohnten Anblick geworden. Doch Baumgart wurde am Mittwoch positiv auf Corona getestet. Und so muss ihn am Samstag im Spiel gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr/Sky) sein Assistent André Pawlak vertreten.

Das tat er schon auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Baumgart hatte sich virtuell zugeschaltet, allerdings hatte er die Videofunktion ausgeschaltet und sagte auch nichts. Auch beim Ernstfall gegen Freiburg will er seinem Assistenten freie Hand lassen. «Bis Samstag telefonieren und skypen wir sicherlich mehrmals am Tag», erklärte Pawlak: «Während des Spiels werden wir auf der Bank aber keinen Kontakt mit Steffen haben. Er überlässt uns die Entscheidungen. Und das ist sicher richtig. Denn vor dem Fernseher sieht man ja auch nicht alles.»

Die Startelf wird also sicherlich noch die Handschrift vom Baumgart tragen. Alles, was im Spiel passiert, wird – ob positiv oder negativ – in Pawlaks Verantwortung fallen. Lösen will er dies auf seine ihm eigene, ruhige Art. Ganz im Gegensatz zu seinem heißspornigen Chef. Baumgart nachzuahmen wäre «auch Quatsch», erklärte Pawlak. «Ich kann Steffen nicht kopieren, und das will ich auch nicht. Ich werde die Ansprache so halten, als wäre ich Cheftrainer. Und das wird sicherlich sachlich sein.»

Als Cheftrainer hat der gebürtige Gelsenkirchener bisher nur unterklassig gearbeitet, war dort aber Aufstiegsspezialist. Die SG Wattenscheid führte er 2012 in die fünfte und 2013 in die vierte Liga. Auch die SpVgg Velbert 2015 und der KFC Uerdingen stiegen unter ihm in die Regionalliga auf. 2017 kam er als U17-Trainer zum FC, 2019 finalisierte er nach der Beurlaubung von Markus Anfang als Interimschef in den letzten drei Spielen den Bundesliga-Aufstieg. Seitdem ist er Co-Trainer der Profis. Baumgart ist nach Achim Beierlorzer, Markus Gisdol und Friedhelm Funkel schon der vierte Chefcoach, dem er zuarbeitet.

Unter ihm könnten die derzeit achtplatzierten Kölner bis auf einen Punkt an den Fünften Freiburg heranrücken. Doch auf den Europacup schaut Pawlak nicht. «Wir wissen natürlich schon um die Möglichkeit», sagte er: «Aber der erste Auftrag ist es, ein Polster nach unten zu schaffen. Mit drei Punkten am Samstag hätten wir schon ganz schön Luft.»

Und bei seinem Chef-Debüt in der Bundesliga hat Pawlak gleich das Glück, dass ihm kein einziger der 27 Profis verletzt oder gesperrt fehlt. «Eigentlich», sagte er und schmunzelte wieder: «Fehlt nur Steffen.»