Videos deuten in Totschlagsprozess auf Notwehr hin

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Das Gebäude des Landgerichts. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild
Das Gebäude des Landgerichts. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Köln. Überwachungsvideos deuten in einem Totschlagsprozess am Landgericht Köln auf Notwehr hin.

Seit Donnerstag steht ein 22 Jahre alter Mann vor dem Gericht, der am Morgen des 26. Juni 2021 auf der Partymeile Hohenzollernring in der Kölner Innenstadt einen Kontrahenten mit vier Messerstichen in den Oberkörper lebensgefährlich verletzt haben soll. Laut Anklage überlebte der 24-Jährige nur dank einer Notoperation.

Der 22-jährige Angeklagte räumte die Messerstiche ein, berief sich aber auf Notwehr. Demnach sei er von mehreren Männern um den 24-Jährigen nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung angegriffen worden. Im Saal vorgeführte Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigten eine wilde Schlägerei, in der mehrere Männer auf den am Boden liegenden Angeklagten einschlugen und -traten. Sein Verteidiger sagte: «Er hat sich nicht anders zu helfen gewusst.» Nur unter Einsatz des Messers sei sein Mandant aus der bedrohlichen Situation herausgekommen.

Auch das Gericht ließ durchblicken, dass nach vorläufiger Würdigung der Videoaufnahmen der Messereinsatz durchaus als Notwehr gewertet werden könnte. Aufgrund dieser Einschätzung war der 22-jährige Deutsche kurz vor Weihnachten 2021 aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Dem Angeklagten werden in zwei weiteren Anklagen eine gefährliche Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.