Zeuge: NRW hat zu wenig Personal für Hochwasser-Vorhersagen

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Ein Hochwasser-Schild steht an einem überfluteten Feld. Foto: Andreas Arnold/dpa/Symbolbild
Ein Hochwasser-Schild steht an einem überfluteten Feld. Foto: Andreas Arnold/dpa/Symbolbild

Düsseldorf. Hätte das Jahrhundert-Hochwasser früher erkannt werden müssen und hätten dadurch Leben gerettet werden können? Mit diesen Kernfragen beschäftigt sich der Flut-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags.

Die Personaldecke für Hochwasservorhersagen der Landesbehörden ist nach Angaben eines leitenden Umweltbeamten in Nordrhein-Westfalen unterdurchschnittlich. Das hätten bundesweite Vergleiche seit Jahren ergeben, sagte der Fachbereichsleiter für Hochwasserschutz im Landesumweltamt, Bernd Mehlig, am Freitag im Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags zum Jahrhunderthochwasser 2021. «Nordrhein-Westfalen kommt nicht an den Standard, den andere Bundesländer haben», sagte der Zeuge.

Ein neues Modellsystem zur Hochwasservorhersage habe im vergangenen Sommer nicht genutzt werden können. Die einzige Person, die das Modell betreue, sei im Urlaub gewesen.

Die Frage, ob etwas hätte verhindert werden können, wenn das System im Juli 2021 funktioniert hätte, sei spekulativ, sagte der Hochwasser-Experte. Er gehe aber davon aus, dass das System seine Berechnungen an einem bestimmten Punkt abgebrochen hätte, weil bei dem Jahrhunderthochwasser an besonders betroffenen Pegeln so hohe Wasserstände erreicht worden seien, die das System nicht kenne. «Es hätte die Scheitel nicht vorhersagen können.»

Eine solche Lage wie das Hochwasser im Juli 2021 habe er, was die Abflussmengen des Wassers betrifft, noch nie erlebt, sagte Mehlig. Insgesamt komme er jedoch zu dem Schluss, dass seine Behörde «die Aufgaben soweit erfüllt» habe.

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet – 49 Menschen starben. Nach ersten Schätzungen entstanden allein in NRW Schäden in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro.

Der im vergangenen September eingesetzte Ausschuss prüft mögliche Versäumnisse, Unterlassungen, Fehleinschätzungen oder ein etwaiges Fehlverhalten der Landesregierung im Zusammenhang mit dem Jahrhundert-Hochwasser. Dazu sollte am späten Nachmittag auch NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) als Zeugin gehört werden.

Vor Scharrenbach waren in den vergangenen Wochen unter anderen der amtierende sowie der frühere Ministerpräsident, Hendrik Wüst und Armin Laschet (beide CDU), als Zeugen angehört worden – ebenso wie Wetter-Experte Jörg Kachelmann und eine britische Hydrologie-Professorin des europäischen Hochwassersystems EFAS. Im Kern geht es um die Frage, ob die Landesregierung die drohende Gefahr frühzeitiger hätte erkennen, die Kommunen warnen und Gegenmaßnahmen hätte treffen müssen und ob die Warnketten überhaupt funktionieren.