Zu trocken: In Wäldern findet sich kaum Saatgut für Bäume

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Abgefallene Blätter liegen auf dem Waldboden. Foto: Stefan Befeld/Wald und Holz NRW /dpa/Symbolbild
Abgefallene Blätter liegen auf dem Waldboden. Foto: Stefan Befeld/Wald und Holz NRW /dpa/Symbolbild

Münster. Ob Bucheckern oder Eicheln: Saatgut gesunder Bäume ist in Zeiten des Klimawandels und Borkenkäfer-Befalls wichtig, um stark beschädigte Wälder wieder auf Vordermann zu bringen. Doch die Ernte fiel mickrig aus.

Nordrhein-Westfalens Waldbesitzer haben im vergangenen Jahr sehr wenig Saatgut für Bäume geerntet. Nach 189 Tonnen 2020 seien es nur 10 Tonnen gewesen, teilte der Landesbetrieb Wald und Holz NRW am Donnerstag mit. So gering sei die Ernte seit mehr als zehn Jahren nicht gewesen. «Viele Bäume haben nach drei heißen und zehrenden Jahren nun auf Erholung geschaltet und Energie gespart», sagt der Forstgenetik-Experte Johannes Jesch. «Wir hoffen auf eine reiche Blüte und Saatgut-Ernte im Jahr 2022.»

Schwankungen bei der von Baumschulen genutzten Saatgut-Menge sind normal. Der jetzige Wert ist aber sehr niedrig und bereitet den Förstern Sorgen für die Wiederbewaldung stark beschädigter Flächen. Denn im Wald spielt zwar auch die «Naturverjüngung» eine wichtige Rolle – Saatgut bleibt also liegen, und es wachsen junge Bäume, um später ältere zu ersetzen. Allerdings klappt diese natürliche Verjüngung mit Baumarten, welche die Folgen des Klimawandels gut wegstecken, nicht überall.

Auf einigen Flächen müssen junge Bäume gepflanzt werden, damit die Wiederbewaldung gelingt und die richtigen Baumarten wachsen. Ziel sei die Entwicklung von «standortangepassten und klimastabilen Mischwäldern von mindestens vier Baumarten», sagt Bertram Leder vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft. Bei dem durch den Klimawandel erforderlichen Umbau der Wälder gelten die Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche, die Lärche und Kiefer als Hoffnungsträger. Keine Zukunft wird hingegen der Fichte vorhergesagt.

Von dem im vergangenen Jahr gesammelten Saatgut kamen 4,4 Tonnen von Roteichen, 1,2 Tonnen von der Vogelkirsche, 0,9 Tonnen von der Roterle und 0,8 Tonnen von der Hainbuche. Auf die Weißtanne – also dem Nadelbaum, der die Fichte ersetzen soll – entfielen nur 0,3 Tonnen. Außerdem wurde Saatgut für Esskastanien, Bergahorn, Sommerlinden und weitere Baumarten gesammelt.

Saatgut für den kommerziellen Verkauf dürfen Waldbesitzer nur auf zertifizierten Flächen ernten, wo seit langem besonders kräftige und gesunde Bäume wachsen. Baumschulen pflanzen das Saatgut in Beeten an. In der Regel nach zwei bis vier Jahren kommen die jungen Bäume dann in den Wald. Die Folgen der mickrigen Ernte des vergangenen Jahres werden also erst ab 2023 für Wiederbewaldungsvorhaben spürbar sein. Allerdings hält sich Saatgut auch einige Jahre – Vorräte voriger Ernten könnten also helfen.

Die Ernte ist je nach Baumart unterschiedlich. Bei Buchen zum Beispiel werden Netze unter die Bäume gespannt, um die heruntergefallenen Bucheckern später gut einsammeln zu können. Bei anderen Bäumen ist es aufwendiger. Bei Douglasien klettern Erntehelfer hoch in die Bäume und sammeln Zapfen ein, aus denen sie Samen gewinnen.