„Helden“: Innenminister Reul verleiht Medaille an Fluthelfer

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Herbert Reul steht zusammen mit den ausgezeichneten Fluthelfern in der Polizeischule in Brühl. Foto: Oliver Berg/dpa
Herbert Reul steht zusammen mit den ausgezeichneten Fluthelfern in der Polizeischule in Brühl. Foto: Oliver Berg/dpa

Brühl. 62.000 namentlich bekannte Männer und Frauen waren nach der Flutkatastrophe im vergangenen Juli als Helfer im Einsatz. Alle sollen demnächst eine Medaille bekommen. Stellvertretend ehrte Innenminister Reul am Montag Helfer an verschiedenen Flutorten.

Als Dank und Anerkennung für den Einsatz bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen hat Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag mehrere Helfer ausgezeichnet. Reul verlieh in Brühl bei Bonn die Medaille an zwei Polizisten, eine Polizistin, einen Polizeitaucher und einen Mitarbeiter der Lebensrettungsorganisation DLRG, die «in der größten Naturkatastrophe der Landesgeschichte» im Einsatz waren und dabei oft unter großer eigener Gefahr Leben retteten. «Für mich sind Sie nicht nur Helfer, sondern Helden», sagte Reul.

Der Minister wollte am Montag auch an anderen von dem Hochwasser betroffenen Orten wie Schleiden, Eschweiler, Stolberg und Jülich Retter von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Polizei auszeichnen. Sie erhielten als Zeichen der Anerkennung für den Einsatz die eigens für den Zweck gestiftete «Feuerwehr- und Katastrophenschutz Einsatzmedaille». Am Abend zeichnete Reul sechs Feuerwehrleute in Kreuzau-Stockheim bei Düren aus. Am Freitag (18.2.) wird der Minister in Bochum, Hagen und Altena Helfer ehren. Landesweit sollen insgesamt 62.000 namentlich bekannte Helfer und Helferinnen die Medaille erhalten, sagte Reul. Die Auszeichnung soll lokal über die Organisationen verteilt werden.

Den fünf Rettern in Brühl sagte Reul am Montag, sie würden stellvertretend für den «landesweit grandiosen Einsatz» ausgezeichnet. Die silberne Medaille trägt auf der Vorderseite die Kurzbezeichnung des Einsatzes «Unwetterkatastrophe 2021» sowie den Schriftzug «Dank den Helferinnen und Helfern».

Drei der geehrten Polizisten waren am 15. Juli an der in einem Trog verlaufenden Bundesstraße 265 in Erftstadt in Einsatz. Roman Hardt sollte dort mit seinem Kollegen die Autos aus der langsam volllaufenden Straße leiten, berichtet der 53 Jahre alte Polizist. Es dauerte nicht lange, da ging ihm das Wasser bis zum Knie, und irgendwann musste er schwimmen. Mit seinem Kollegen Sven Straube klopfte er an die Scheiben von Autos, in denen die Insassen wie gelähmt in den Fluten festsaßen, statt sich zu retten. «Ich hab die Leute angesprochen, angemotzt per Lautsprecher», erinnert er sich.

Sein Kollege Straube konnte sich am Auto seiner zufällig anwesenden Kollegin Laura Schlott, die dienstfrei hatte, festhalten. Beide retten sich mit einem älteren Ehepaar auf einen Lastwagen, der aber auch davontrieb. Polizistin Schlott erinnerte sich an ihre Worte in der dramatischen Lage: «Sie müssen schwimmen, wir werden sonst sterben». Die 36-Jährige sprang als erste in das trübe Wasser und zeigte erfolgreich, dass Rettung möglich war. Die Machtlosigkeit angesichts der Naturgewalt spürten alle. «Der Lkw ist wie ein Korken auf uns zugeschwommen», sagt die Polizistin.

Mit seinem Boot rettete ein Polizeitaucher 65 Menschen aus einsturzgefährdeten Häusern und geriet dabei selbst in einen gefährlichen Strudel. Ein Ehrenamtlicher des DLRG brachte 100 Leute aus der Gefahrenzone. Auch diese Männer erhielten am Montag die Rettungsmedaille. Reul erinnerte daran, dass bei dem Hochwasser in Nordrhein-Westfalen auch vier Feuerwehrleute starben.

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet – 49 Menschen in NRW starben. Nach ersten Schätzungen entstanden allein in NRW Schäden in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro.