BVB will deutsche Misere in Europa League beenden

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Trainer Marco Rose.
Trainer Marco Rose. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Hehre Ziele, forsche Sprüche – Borussia Dortmund geht die Europa League mit großen Ambitionen an. Ein langer Verbleib im Wettbewerb soll für das frühe Aus in der Champions League entschädigen und helfen, das international angekratzte Image wieder aufzupolieren. «Es ist für uns die große Chance, allen in Europa zu zeigen, dass wir noch da sind», sagte Sportdirektor Michael Zorc. Das Hinspiel in den Play-offs zur K.o.-Runde am Donnerstag (18.45 Uhr/RTLL+) soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg Richtung Finale Mitte Mai in Sevilla sein.

Anders als in der Bundesliga bekunden alle Dortmunder Titelansprüche. Wie Zorc gab auch Sebastian Kehl die Richtung vor: «Der Titel fehlt uns auf der Autogrammkarte. Warum nicht dafür kämpfen?» Die mittlerweile chronische Erfolglosigkeit von Bundesliga-Vertretern in der Europa League sieht der Lizenzspielerchef als zusätzlichen Anreiz: «Es ist lange, lange her, dass eine deutsche Mannschaft in diesem Wettbewerb etwas bewegen konnte.» Als bis heute letzter Bundesligist holte Dortmunds Erzrivale Schalke 04 den Titel 1997 im Vorgänger-Wettbewerb UEFA-Pokal nach Deutschland.

Einen besonderen Stellenwert hat das Duell mit dem Tabellenzweiten aus Schottland für den am Saisonende scheidenden Sportdirektor Zorc. Schließlich bestritt er 1982 als damaliger BVB-Profi gegen die Rangers sein erstes Europapokal-Spiel. Liebend gern würde der 59-Jährige vor dem Beginn seines Ruhestandes noch einmal eine Trophäe in Händen halten. «Borussia Dortmund stand zweimal im Endspiel dieses Wettbewerbs, konnte beide Male nicht gewinnen. Das zu ändern, wäre schön», sagte Zorc dem «Kicker» mit Bezug auf die Final-Niederlagen im UEFA-Cup in den Jahren 1993 und 2002.

Einfach wird das nicht, schon gegen die Rangers droht Ungemach. Schließlich muss der BVB zum Leidwesen von Coach Marco Rose erneut auf Erling Haaland verzichten. Der Torjäger macht nach dreiwöchiger Zwangspause zwar gesundheitliche Fortschritte und trainiert wieder mit Ball, steht aber frühestens erst im nächsten Bundesliga-Spiel gegen Mönchengladbach zur Verfügung. Gleichwohl hofft Rose auf ein gutes Polster für das Rückspiel in einer Woche im Ibrox-Stadium: «Wir wollen Kontrolle über das Spiel, wollen Dominanz ausstrahlen. Es geht für uns darum, in unseren Leistungen und Ergebnissen konstanter zu werden. Dann sind wir in der Lage, sehr, sehr weit zu kommen.»

Bei allem Respekt vor dem BVB überwiegt bei Rangers-Coach Giovanni van Bronckhorst die Vorfreude: «Es wird eine großartige Herausforderung für uns, gegen einen europäischen Topclub zu spielen. Es wird wirklich hart – aber man will Herausforderungen, im Leben und im Fußball.»

Zu einer besonderen Herausforderung könnte aber nicht nur der Gegner, sondern auch das Wetter werden. Alle Beteiligten hoffen, dass der für Donnerstag angesagte Sturm über NRW, der das zuständige Ministerium zu einer Schließung der Schulen veranlasste, die Austragung der Partie nicht gefährdet. «Wir haben die Situation im Blick und stehen mit der UEFA und unserer Organisationsabteilung im Austausch. Aber Stand jetzt ist uns nichts dergleichen bekannt», antwortete ein Vereinssprecher am Mittwoch auf die Frage nach einer drohenden Absage.