Experte: Feuer hat sich vermutlich über Fassade ausgebreitet

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Löscharbeiten am niedergebrannten Wohnkomplex in Essen.
Löscharbeiten am niedergebrannten Wohnkomplex in Essen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Das verheerende Feuer in Essen könnte sich laut Einschätzung eines Experten vermutlich über den Außenbereich des Gebäudes, möglicherweise über eine Fassadendämmung, ausgebreitet haben. «Natürlich kann man das als Außenstehender nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber wenn ich mir die ersten öffentlich zugänglichen Bilder und eine kurze Filmsequenz anschaue, dann sieht es zunächst so aus, dass sich das Feuer über die Fassade verbreitet hat», sagte der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands und Sachverständige für vorbeugenden Brandschutz, Frank Hachemer, auf dpa-Anfrage. «Und der Putz brennt eher nicht.»

Dazu passe auch, dass der Sturm nach Beschreibungen von Augenzeugen das Feuer angefacht habe. «Das geht natürlich am ehesten, wenn es sich um eine Entwicklung außen am Gebäude handelt und nicht im Inneren.» Eine Ausbreitung im Inneren sei aufgrund der heutigen Brandschutz-Vorschriften auch kaum noch so einfach möglich. «Die Decken sind selbst schon Brandschottungen, die eigentlich gar nicht ohne weiteres durchbrochen werden können, so dass ein Feuer meist in einem Zimmer gefangen bleibt», erläuterte der Brandschutz-Experte. Das Thema Fassadendämmung sei seit Jahren in der Diskussion. «Da gibt es brennbare und nicht brennbare Dämmungen. Mineralwolle zum Beispiel ist nicht brennbar, hat aber zum Beispiel den Nachteil, dass sie ihre Dämmwirkung verliert, wenn sie nass wird.» Um einer Ausbreitung über die Fassadendämmung vorzubeugen, müssten nach aktuellen Vorschriften waagerechte Fassadenriegel in der Dämmung angebracht werden. Sie sollen verhindern, dass ein Brand von unten nach oben weiterwandere.