«Vorrunde war gute Lehre»: Diaby nach Prozess überragend

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Leverkusens Torschütze Moussa Diaby jubelt nach seinem Treffer zum 3:0.
Leverkusens Torschütze Moussa Diaby jubelt nach seinem Treffer zum 3:0. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Leverkusen (dpa) – An Weihnachten hatte Moussa Diaby noch mehr Karten als Tore in seiner Statistik. Sieben Verwarnungen und ein Platzverweis bei nur fünf Treffern waren Zeugnis fehlender Reife des hochbegabten Fußball-Profis von Bayer Leverkusen, den zudem wegen mangelnder Defensivarbeit oft der Unmut der Kollegen traf. Doch über den Jahreswechsel hat es offenbar Klick gemacht bei Diaby.

«Spieler mit diesem Potenzial in diesem Alter können ihr Limit ständig nach oben verschieben», sagte Bayer-Trainer Gerardo Seoane nach dem 3:0 gegen Arminia Bielefeld mit einem erneuten Doppelpack des seit Wochen überragenden Franzosen: «In der Nachbetrachtung war die Vorrunde sicher eine gute Lehre für ihn.»

Man könnte auch sagen: Der 22-Jährige ist sportlich erwachsen geworden. Mit sieben Toren ist er nach Bayerns Weltfußballer Robert Lewandowski der erfolgreichste Torschütze der europäischen Top-Ligen im Kalenderjahr 2022. Und somit Bayers Hoffnungsträger in den wichtigen nächsten Spielen: Beim FC Bayern, im Derby gegen den 1. FC Köln und im Europa-League-Achtelfinale gegen Atalanta Bergamo.

Torhüter Lukas Hradecky fielen jedenfalls sofort drei Gründe ein, warum die im Hinspiel noch mit 1:5 im eigenen Stadion demontierten Leverkusener nächsten Samstag dem FC Bayern auf Augenhöhe begegnen könnten. «Wir haben nichts zu verlieren. Wir haben gutes Selbstbewusstsein. Und wir haben einen Moussa Diaby in Top-Form», sagte Hradecky: «Also ich freu mich drauf!»

Dass er in diesem Jahr noch ohne jede Gelbe Karte blieb und vom Trainer und den Mitspielern inzwischen für seine Defensivarbeit gelobt wird, rundet das Bild des Reifeprozesses ab. «Er arbeitet inzwischen sehr gut nach hinten», sagte Seoane, der schon in der vergangenen Woche konstatierte: «Es ist beeindruckend, welche Disziplin und Bereitschaft er inzwischen zeigt, gewisse Arbeiten zu erledigen, die vielleicht nicht unbedingt seine Stärken sind.»

Dass er mit zunehmender Defensiv-Arbeit immer häufiger trifft, ist für Hradecky nur auf den ersten Blick paradox. «Er hat begriffen, dass das nur so geht», sagte der Kapitän. Auch Abwehrchef Jonathan Tah gönnt dem einst so verspielten und eigensinnigen Kollegen nun jede Lobeshymne. «Es gab das ein oder andere Spiel, in dem wir das angesprochen haben», sagte er schmunzelnd über das frühere Defensiv-Verhalten Diabys: «Jetzt macht er es super. Er belohnt sich, weil er sich nicht nur auf sein Talent verlässt. Und deshalb ist es hochverdient, dass die Fans seinen Namen rufen.»

Obwohl er sich in Leverkusen gerade so prächtig entwickelt, ist Bayer nicht das Ende aller Träume Diabys. Nach Informationen der «L’Equipe» strebt der einst von Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain zu den Profis beförderte Flügelstürmer im Sommer einen Wechsel zu einem Top-Club nach Spanien oder England an. «Er ist ein Spieler, der mit der Mannschaft und auch persönlich Ziele verfolgt», sagte Seoane.

Dazu gehört aber vor allem auch die WM Ende des Jahres in Katar. Vier A-Länderspiele hat er inzwischen für Weltmeister Frankreich absolviert. Die WM sei sicher «ein zusätzlicher Motivations-Faktor», erklärte der Trainer. Eine Gala auf größter Bühne bei den Bayern nächste Woche könnte ihn ein großes Stück weiterbringen.