Dem Krieg trotzen: 87-jähriger Karnevalist mit Mini-Umzug

18
Helmut Scherer zieht mit seinem nach eigenen Angaben kleinsten Karnevalsumzugs der Welt umher.
Helmut Scherer zieht mit seinem nach eigenen Angaben kleinsten Karnevalsumzugs der Welt umher. Foto: Bernd Thissen/dpa

Unna (dpa) – Im kleinstmöglichen Format hat Unnas berühmtester Karnevalist seinen Miniatur-Rosenmontagsumzug veranstaltet – mit trotziger Botschaft für den Frieden. Seit mehr als 60 Jahren zieht der inzwischen 87-jährige Helmut Scherer am Rosenmontag mit einem Motto-Bollerwagen durch die Stadt in Westfalen und ist damit als kleinster Karnevalsumzug der Welt bekannt geworden.

Begleitet von Karnevalsmusik zog er dieses Jahr einen Bollerwagen mit einer Eselsfigur hinter sich her. Die Ohren des Tiers waren als Zeichen der Solidarität mit den ukrainischen Nationalfarben geschmückt.

«Der Esel ist nicht nur das Wappentier von Unna, er soll in dieser Situation auch dafür stehen, dass wir nicht so stur sein dürfen und aufeinander zugehen müssen», sagte Scherer der Deutschen Presse-Agentur. «Gerade als Karnevalist muss man diesem Putin doch etwas entgegensetzen», begründete er mit Blick auf Russlands Präsidenten das Festhalten an seiner jecken Tradition.

Angesichts des Krieges in der Ukraine habe er seinen ohnehin kleinen Umzug abermals abgespeckt. So war er dieses Jahr statt mit sechs geplanten Begleitern nur mit einem Helfer und dessen kleiner Tochter unterwegs. Auch sei er nicht – wie vorgesehen – durch die Innenstadt gezogen, sondern habe aus Rücksicht auf die in seiner Stadt lebenden Ukrainer nur eine kleinere Runde in der Nähe seiner Wohnung gedreht.

«Wenn schon in den großen Karnevalshochburgen nichts ist, kann ich hier ja nicht alles wie immer machen», sagte der Senior. Ein Zeichen gegen den Krieg, den Russland begonnen hatte, habe er trotzdem setzen wollen.

Sein Mini-Rosenmontagsumzug halte ihn außerdem auch im hohen Alter fit. Trotz verkürzter Route sei er eine Stunde unterwegs gewesen: «Ich musste zwischendrin mehrfach anstoßen und auch einen Berliner Ballen essen», sagte Scherer.