Ruhrfestspiele kreisen um «Haltung und Hoffnung»

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Bunte Wimpelketten hängen über dem Eingang zum Festspielzelt der Ruhrfestspiele.
Bunte Wimpelketten hängen über dem Eingang zum Festspielzelt der Ruhrfestspiele. Foto: Caroline Seidel/dpa/Archivbild

Recklinghausen (dpa) – «Haltung und Hoffnung» in Zeiten von Krieg und Unterwanderung demokratischer Strukturen: Mit diesem Motto treten die diesjährigen Ruhrfestspiele an – erstmals seit zwei Jahren auch wieder komplett als Präsenzveranstaltung. 92 Produktionen sind bei dem vom DGB mitgetragenen Kunst- und Theaterfestival vom 1. Mai bis zum 12. Juni geplant.

«Die Ruhrfestspiele werden endlich wieder ein Ort der direkten, persönlichen Begegnung», sagte Intendant Olaf Kröck am Mittwoch bei der Programmvorstellung. 2020 war das Festival wegen der Pandemie ganz abgesagt worden, 2021 fand es nur in der zweiten Hälfte in Präsenz und mit stark reduzierten Zuschauerzahlen statt.

Traditionell starten die Festspiele am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, mit einem «Kulturvolksfest» am Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen. Künstlerisch eröffnet werden sie zwei Tage später mit der Deutschlandpremiere «Sibyl» des südafrikanischen Künstlers William Kentridge – eine Doppelinszenierung für zehn Performer aus einem Kurzfilm mit Livemusik und einer Kammeroper.

Zuvor hält die britisch-deutsche Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo die Eröffnungsrede. Sie wird bei den Festspielen unter dem Motto «Resonanzen – Schwarzes Literaturfestival» ein Treffen für deutschsprachige schwarze Nachwuchsautoren gestalten, wie Kröck ankündigte.

«Haltung und Hoffnung» als Gesamtmotto für die Ruhrfestspiele sei schon im Herbst vergangenen Jahres angesichts der antidemokratischen Kräfte bei Corona-Protesten entwickelt worden. Es passe aber genauso auf den Ukraine-Krieg. «Die Ruhrfestspiele sind ein Festival der Solidarität», betont Kröck. «Diese Solidarität gilt allen Menschen der Ukraine.»

Den Schrecken des Krieges und seiner absurden Befehlsketten zeigt vielleicht am eindrucksvollsten die Deutschlandpremiere der Theaterarbeit «Bros» des italienischen Regisseurs und Künstlers Romeo Castellucci. Ein wildes Spiel über Macht und Gewalt von gut 20 Männern – alles Amateure – in Uniform. «Verstörend», sagt Intendant Kröck, «danach brauchen Sie einen Schnaps».