Gut 2000 Impfungen mit Novavax-Impfstoff seit NRW-Start

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Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax steht auf einem Tisch.
Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax steht auf einem Tisch. Foto: Alastair Grant/AP/dpa/Symbolbild

Düsseldorf (dpa/lnw) – Der neue Corona-Impfstoff Nuvaxovid des Herstellers Novavax ist in den ersten Tagen nur gut 2000 Interessenten im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen gespritzt worden. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Impfzahlen des Robert Koch-Institutes (RKI) haben 2191 Menschen in NRW eine Erstimpfung mit dem Novavax-Impfstoff erhalten. Das ist zwar mehr als ein Fünftel aller bundesweit bis einschließlich Mittwoch verabreichten 9907 Nuvaxovid-Impfungen. Aber das deutlich weniger Einwohner zählende Rheinland-Pfalz liegt mit 2844 Erstimpfungen mit dem Proteinimpfstoff noch vor NRW auf Platz 1. Bei den sehr wenigen Zweitimpfungen mit Nuvaxovid führt NRW mit 172 Fällen.

Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein sollte Nuvaxovid deutlich früher als Anfang April den Haus- und Fachärzten zur Verfügung gestellt werden. Er sei eine weitere Option gerade auch für diejenigen, die mRNA-Impfstoffen bisher skeptisch gegenüberstünden, sagte der Vorstandsvorsitzende Frank Bergmann am Donnerstag in Düsseldorf. Der von der Wirkung her durchaus mit mRNA-Impfstoffen vergleichbare Impfstoff von Novavax sollte bereits jetzt sehr schnell den Weg in die Arztpraxen finden und nicht erst in etwa vier Wochen.

In NRW hatten die Nuvaxovid-Impfungen am Sonntag in den ersten Städten des Landes begonnen. Das neue Vakzin soll nach den Vorgaben des Gesundheitsministeriums zunächst nur für kommunale Impfangebote in den Impfzentren oder durch mobile Impfteams geliefert werden. Zunächst sollen es bevorzugt Beschäftigte in Berufsgruppen erhalten, die von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht betroffen sind. Bergmann schloss aber nicht aus, dass der neue Proteinimpfstoff auf dem Umweg über die Kommunen schon früher in die Praxen kommt, wenn die zur Verfügung stehenden Mengen sonst nicht ausgeschöpft werden.

Nach einer Modellrechnung der KV Nordrhein ist durch Nuvaxovid kein kräftiger Anstieg der Erstimpfungen zu erwarten. «Ist der Impfstoff ein Gamechanger? Da müssen wir leider sagen: Nein», sagte Miguel Tamayo, der die Zahlen erläuterte. Im Gebiet der KV Nordrhein gebe es ab 18 Jahren gut eine Million Ungeimpfte. Umfragen einer bundesweiten Studie zufolge, hätten sich 16 bis 20 Prozent der Ungeimpften deshalb nicht impfen lassen, weil sie mRNA-Impfstoffe nicht trauten oder weil sie sich eher mit Nuvaxovid impfen lassen wollten. Das wären 170.000 bis 211.000 zusätzliche Erstimpfungen. Das würde die Erstimpfungsquote um 1,75 bis 2,18 Punkte anheben. «Das ist das, was wir so in drei Wochen auch ohne Novavax schaffen würden», erklärte Tamayo. Wie aus den Kommunen zu hören sei, bekämen die Impfzentren die Termine derzeit nicht voll.

Nach Auffassung der KV Nordrhein besteht angesichts einer allgemein geringen Impfnachfrage derzeit die Chance, die kommunalen Impfangebote zurückzufahren. Die Kommunen sollten sich jedoch nicht grundsätzlich aus der Impfkampagne zurückziehen. Wichtig seien Überlegungen für den Herbst mit Blick auf eine mögliche neue Corona-Welle und auch auf eine Grippewelle. Dann könne wieder Impfen an vielen Stellen sinnvoll sein. Die Hausärzte wären derzeit in der Lage, zehn Mal so viele Impfungen vorzunehmen als nachgefragt werden. Auch damit keine Impfstoffdosen am Ende des Tages ungenutzt übrig bleiben, sollten die Impfungen auf die Praxen konzentriert werden.

Das NRW-Gesundheitsministerium hatte bereits erklärt, dass Kommunen bei geringer Nachfrage von der Priorisierung abweichen können. Der Impferlass zu Nuvaxovid habe von Beginn an deutlich gemacht, dass der Novavax-Impfstoff auf die übrigen Personengruppen und damit auch auf die Allgemeinbevölkerung aufgeteilt werden könne – sollte absehbar sein, dass Termine nicht entsprechend der vorgegebenen Priorisierung nachgefragt werden, sagte ein Ministeriumssprecher. In einem Erlass von Mittwoch sei außerdem bereits geregelt worden, dass die «Kreise und kreisfreien Städte Novavax-Impfstoff an Arztpraxen sowie Krankenhäuser zur dortigen Verimpfung abgeben» könnten.

Nach den Richtlinien für Novavax-Impfungen sollen zunächst 75 Prozent der Dosen für Beschäftigte mit einrichtungsbezogener Impfpflicht reserviert werden. 20 Prozent sollen für Menschen reserviert werden, denen eine Unverträglichkeit in Bezug auf die vorhandenen mRNA-Impfstoffe ärztlich attestiert wird. Fünf Prozent bleiben demnach zunächst für die Allgemeinbevölkerung.