Yogeshwar zu Brand in AKW: Kein Grund zu «Hysterie»

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Köln (dpa) – Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar hält Sorgen auch in Deutschland vor einer atomaren Gefahr nach dem Feuer in einem ukrainischen Atomkraftwerk für nicht begründet. Zwar lösten die Vorgänge am AKW nahe der Großstadt Saporischschja auch in der deutschen Bevölkerung Sorgen vor einer Katastrophe wie in Tschernobyl 1986 aus, sagte der Wissenschaftsautor am Samstag im «Morgenecho» auf WDR 5. Dem russischen Militär gehe es aber nicht um Zerstörung, womit Russland sich selber schaden würde, sondern um die Übernahme des größten AKW in Europa. Ein autonomes System zur Messung der Strahlung – «das kann man auch hier abrufen» – zeige normale Werte.

Das Kraftwerk laufe über einen von vier Blöcken weiter. Es bestehe kein Grund für «Hysterie», sagte Yogeshwar. Nach der Einnahme des AKW durch russische Truppen war in der Nacht zu Freitag auf dem Gelände ein Feuer ausgebrochen. Beide Konfliktparteien und internationale Experten hatten versichert, bei dem bald darauf gelöschten Brand sei keine Radioaktivität ausgetreten. Dennoch schürt der Vorfall Furcht vor einer atomaren Katastrophe infolge des russischen Angriffskriegs. Das AKW liegt rund 1600 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt.

Yogeshwar sagte, das AKW sei moderner und sicherer als der Meiler in Tschernobyl. Problematisch sei, dass die Ukraine mehr als die Hälfte seines Stroms aus der Kernenergie decke und zugleich «als Insel» nicht eingebunden sei in andere Netze, etwa zum Nachbarn Belarus. Bei der Stromversorgung könne es zu einer kritischen Lage kommen.