Krankenhaus in Ukraine: 90 Prozent der Patienten Kriegsopfer

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Tönisvorst (dpa/lnw) – 90 Prozent der Patienten eines Krankenhauses in der westukrainischen Stadt Ternopil sind Kriegsopfer. Bei ihnen müssten Schussverletzungen oder die Folgen von Bombardierungen durch Chirurgen behandelt werden, berichtete der Direktor der Einrichtung, Yaroslav Chaikyvskyy, am Donnerstag bei einem Pressegespräch des Medikamentenhilfswerk Action Medeor. Er war per Videotechnik zugeschaltet.

Action Medeor mit Sitz in Tönisvorst bei Krefeld hatte zuletzt mit zwei Transporten Medikamente, Antibiotika, Schmerzmittel, Verbandsmaterialien, Spritzen, Kanülen, Gipsverbände, Handschuhe und Infusionslösungen in die knapp 1600 Kilometer entfernte Stadt gebracht. Ein dritter Hilfstransport ist derzeit unterwegs. Die ersten beiden Sattelschlepper aus Nordrhein-Westfalen hatten bis vor das Tor des Krankenhauses zuerst drei Tage und zuletzt 48 Stunden benötigt. Material, das nicht in Ternopil gebraucht wird, wird in andere Landesteile weiterverteilt.

Derzeit hält der Direktor die Lage im Krankenhaus noch für beherrschbar, die Belastungsgrenze sei noch nicht erreicht. «Das Personal schafft es derzeit noch, die Behandlungen komplett zu leisten», sagte Chaikyvskyy. «Wir bereiten uns aber auf das Schlimmste vor», sagte der Direktor zur Bedrohungslage seines Krankenhauses. Er hoffe aber, dass das, was in Kiew und der Ostukraine passiere, nicht auch Ternopil treffe.

In der Stadt mit rund 220.000 Einwohnern sind nach seinen Angaben derzeit etwa 50.000 Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten. Am 24. Februar hatte Russland die Invasion in die Ukraine gestartet. Action Medeor hat nach eigenen Angaben seit 2014 Kontakt zu dem Krankenhaus, das etwa 250 Kilometer entfernt von der Grenze zu Polen und 130 Kilometer östlich von Lemberg liegt. Anfang des Monats waren die ersten Hilfstransporte nach Beginn der Kriegshandlungen gestartet.