Ukraine-Hilfe: Neue Anlaufstelle für alle in Neviges

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Viele kamen zur Eröffnung der neuen Anlaufstelle der Integrationshilfe Langenberg. Foto: Volkmann
Viele kamen zur Eröffnung der neuen Anlaufstelle der Integrationshilfe Langenberg. Foto: Volkmann

Velbert. In Neviges hat die Integrationshilfe Langenberg (IHLA) eine Anlaufstelle für Ukraine-Vertriebene und Engagierte geschaffen. Der Info-Point soll auch eine Stätte der Begegnung werden. 

Im ehemaligen Kaufhaus Gassmann an der Bernsaustraße 1 hat die Integrationshilfe Langenberg sich im hinteren Bereich des inzwischen von dem Bildungsinstitut WBS Training genutzten Räumen eingerichtet, um dort eine Anlaufstelle für Menschen aus der Ukraine und Helfende zu bieten. Von dort will der rund 150 Mitglieder starke Verein die Unterstützung koordinieren. Die Räumlichkeiten hat die IHLA angemietet und kann nun auf die dort bestehende Infrastruktur zurückgreifen.

Vereinsvorstand Gero Sinha untermauert den aktuell dringenden Handlungsbedarf: „Jeder Tag der Zerstörung in der Ukraine bedeutet ungefähr einen Monat Leben in Deutschland“ – die Vertriebenen werden voraussichtlich viel Zeit hierzulande verbringen, zumal ein Ende des Angriffskrieges sich noch nicht abzeichnet. Angekommen fühlen sich viele von ihnen nach wenigen Wochen bereits. Die kulturelle Nähe helfe dabei, erklärt Sinha. Lediglich die Sprache könne eine Barriere sein. „Viele Menschen aus der Ukraine sprechen allerdings Englisch, lernen die Sprache in der Schule“.

Über 100.000 Geflüchtet hat allein Nordrhein-Westfalen in den vergangenen fünf Wochen aufgenommen, rund 400 davon leben in Velbert, haben hier ihre neue Heimat gefunden. Die meisten davon seien über privat organisierte Hilfsaktionen in Sicherheit gebracht worden, erklärt Gero Sinha. Wie viele Menschen aus der Ukraine noch kommen? Das könne man nicht vorhersagen, meint Sinha. Die Stadt Velbert hat bereits weitere Kapazitäten geschaffen, ist vorbereitet. Und muss es auch sein. „Mit jedem weiteren Tag des Krieges flüchten mehr Menschen“, so der IHLA-Vorstand. Gero Sinha ist Maschinenbauingenieur bei einem 3D-Druck-Spezialisten, übernimmt auch Managementaufgaben. Über sein Ehrenamt sagt er: „Auch das ist Management, Management mit Herz“. Er brennt für seine Aufgabe, nicht zuletzt, weil es Fluchterfahrungen in seiner eigenen Familie gibt, aber das liege viele Jahre zurück. Der Krieg in der Ukraine weckt schlafende Erinnerungen.

Gero Sinha IHLA
Gero Sinha ist Vorstand des Vereins IHLA. Foto: Volkmann

Jene, die nun nach Deutschland kommen, haben es noch schwerer als jene, die bereits hier sind: „Viele Menschen, die nach Wochen des Krieges und der Zerstörung jetzt flüchten, sind noch traumatisierter. Die Kinder haben Schlimmes erlebt“, erläutert Vereinsvorstand Sinha, der die Unterstützungskampagne der Integrationshilfe federführend organisiert. Man arbeite mit Traumatherapeuten zusammen und habe Kontakte zu Psychologen – das Netzwerk des Langenberger Vereins zu Experten, zur Stadt und zu anderen Institutionen, darunter auch der Velberter Verein Clavis, bildet das Fundament für die interdisziplinären Hilfsangebote.

Wie fließend die Grenzen zwischen dem durch den Krieg verursachten Leid und die Hoffnung auf Frieden sind, beweisen mit Karina und Jana zwei junge Frauen aus der Ukraine: Sie sind geflüchtet, in Velbert angekommen, danken für die große Hilfe, kämpfen mit den Tränen, lächeln aber auch.

Die IHLA fungiert dabei als Koordinierung- und Anlaufstelle – täglich von 9 bis 16 Uhr. Vormittags unterstützt der Verein bei administrativen Aufgaben, vorrangig beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, um behördliche Vorgänge auf diese Weise zu beschleunigen. Dafür habe man extra eine hauptamtliche Kraft, eine ausgebildete Notarfachangestellte, eingestellt. Zwei weitere 450-Euro-Stellen will man zudem noch besetzen. Nachmittags dient der „Info-Point Ukraine“ in Neviges dann als Treffpunkt. Helfende und Geflüchtete sollen eine gemeinsame Anlaufstelle finden, um so Hilfegesuche und Unterstützungsangebote auf „kurzem Weg“ zusammenbringen zu können, erklärt Gero Sinha.

Natalia Kholodenko gab in Neviges ein Lied zum Besten - in der Ukraine ist die Psychologin ein Star. Über 450.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Foto: Volkmann
Natalia Kholodenko gab in Neviges ein Lied zum Besten – in der Ukraine ist die Psychologin ein Star. Über 450.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Foto: Volkmann

Juan Gregori, unter anderem ehemaliger Präsident des „Rotary Club Velbert“ blickt zurück auf die letzten Wochen: „Wir haben etwas Gutes geschaffen. Wir haben eine Freundschaft begonnen, die Zukunft hat.“ Die IHLA wurde im Jahr 2015 gegründet. Der kleine Verein leistet Großes, allein schafft er es aber nicht: Die Hilfsbereitschaft sei riesig, freut sich Gregori. Das Projekt der Ukraine-Hilfe ist ein internationales, auch hier in Velbert. Zur Eröffnung des Info-Points gab es reichlich Spezialitäten aus Syrien – die Menge brauchte es auch, immerhin kamen zur Eröffnung der Anlaufstelle rund 100 Gäste.

Für die Ukraine-Vertriebenen besteht in Deutschland keine Pflicht, sich zu registrieren. Für eine Krankenversicherung, Wohnung oder Arbeitsstelle ist genau das aber notwendig; unter anderem dabei unterstützt die IHLA. Man will – möglichst unkompliziert – vermitteln: an Schulen, Sprachkurse, Arbeitgeber, Vermieter. Das Ziel: die Menschen aus der Ukraine in ihrer neuen Heimat integrieren.

Gero Sinha blickt voraus: „Wir wollen die Hilflosigkeit durch den sinnlosen Krieg in Hoffnung wandeln“. An die Menschen aus der Ukraine wendet er sich direkt: „Ihr seid hier willkommen.“

Informationen zur Arbeit des gemeinnützigen und somit komplett aus Spenden finanzierten Vereins gibt es online unter: ihla-verein.de.