Katastrophenschutz in NRW: Keine Bunker, aber Jodtabletten

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Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht.
Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht. Foto: Malte Krudewig/Malte Krudewig/Dpa/dpa/Archivbild

Düsseldorf (dpa/lnw) – Nordrhein-Westfalen hat nach Angaben der Landesregierung einen ausreichenden Vorrat an Jodtabletten für den Erstschutz der Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall oder Krieg. Allerdings verfügt das Land über keine eigenen Bunkeranlagen, in denen die Menschen Zuflucht suchen könnten. Das geht aus einer vom Düsseldorfer Landtag veröffentlichten Antwort von Innenminister Herbert Reul (CDU) auf eine AfD-Anfrage hervor.

Infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stelle der Bund jetzt aber den 2007 beschlossenen Rückbau öffentlicher Schutzräume auf den Prüfstand, berichtete Reul. Geplant sei eine vollständige Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Anlagen. Die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz in diesem Bereich liege beim Bund. Nach dem Ende des Kalten Krieges waren Bunker in Deutschland als verzichtbar eingestuft worden.

Sehr gut sieht es dagegen laut Reul beim Vorrat an Jodtabletten aus. Sie dienen nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) bei einem nuklearen Unfall als Schutz vor einer Einlagerung von radioaktivem Jod in die Schilddrüse.

«Nordrhein-Westfalen verfügt über 59,6 Millionen Kaliumiodidtabletten», antwortete Reul der AfD. Die Verfallsdaten liegen demnach zwischen Ende 2026 und Ende 2030. Mit dem aktuellen Bestand seien alle im Katastrophenfall mit einer «Jodblockade» zu versorgen. Weitere Jodtabletten müssten nicht beschafft werden.

Apotheker hatten infolge des Ukraine-Krieges einen Ansturm auf Jodid-Präparate verzeichnet. Experten warnen allerdings vor einer präventiven Einnahme und Selbstmedikation.

Der Ausbau der Warnsysteme macht Reul zufolge Fortschritte. Das Land habe den Kommunen 20 Millionen Euro für Warnsysteme zur Verfügung gestellt. Damit sei das Netz in NRW von 4330 Sirenen im Jahr 2018 auf 5184 bis Juli 2021 erweitert worden. Die Landesregierung werde das weiter fördern, versicherte Reul.