«Wieder mehr Menschen»: Bischof eröffnet Pilgerjahr

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Georg Bätzing (M) steht während eines Gottesdienstes in der Marienbasilika am Kircheneingang.
Georg Bätzing (M) steht während eines Gottesdienstes in der Marienbasilika am Kircheneingang. Foto: Fabian Strauch/dpa/Archivbild

Kevelaer (dpa/lnw) – Dreimal wird der Schweizer Bischof aus Chur, Joseph M. Bonnemain, an diesem Sonntag (10.00 Uhr) mit einem Hammer gegen das Pilgerportal der Marienbasilika in Kevelaer schlagen – sobald die schweren Türen aufschwingen, ist das Pilgerjahr 2022 offiziell eröffnet. Bei der dritten Auflage seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor mehr als zwei Jahren stehe das Pilgerjahr «deutlich im Zeichen der Entspannung», teilte das Bistum Münster vor dem traditionsreichen Ereignis am 1. Mai im bekannten Wallfahrtsort am Niederrhein mit.

Die «Entspannung» bezieht sich freilich nicht auf den Krieg in der Ukraine, sondern die verbesserte Corona-Lage. Daher rechnet Wallfahrtsrektor Gregor Kauling mit mehr Besuchern und Pilgern als 2021 und 2020. «Es kommen wieder mehr Menschen nach Kevelaer, das konnten wir auch schon an den Ostertagen deutlich spüren.»

Auch Wallfahrts-Generalsekretär Rainer Killich freut sich über das wieder gestiegene Interesse, allen Problemen der katholischen Kirche zum Trotz: «Die Anmeldungen der Gruppen laufen gut. Das Pilgerjahr wird in großen Teilen wieder wie gewohnt stattfinden», kündigte Killich an. Gleichwohl spüre er bei den vulnerablen Senioren-Gruppen noch etwas Zurückhaltung: «Auch wenn es deutlich entspannter wird, die Pandemie ist noch nicht vorbei.» Die Wallfahrtsleitung habe die Corona-Entwicklung ständig im Blick und könne gegebenenfalls auch kurzfristig reagieren.

Vorerst stehen nach Auskunft der Verantwortlichen die Tamilen ebenso im Wallfahrtskalender wie die Bocholter Fußpilger, die Oldtimer-Traktorfreunde oder die Motorradfahrer. Pilger mit einer längeren Anreise müssten laut Killich ihre Route sorgsam planen, weil einige, von Pilgern zur Übernachtung gern genutzte Herbergen nach ihrer pandemiebedingten Auszeit noch nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stünden.

Dass viele Gruppen und Individualpilger Kevelaer die Treue halten, habe womöglich auch damit zu tun, dass neue Wallfahrtsangebote ins Leben gerufen wurden. «Wir haben immer getan, was möglich war, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, zum Beispiel mit individuellen Angeboten», betonte der theologische Referent Bastian Rütten. Zudem habe man geschaut, «wie wir uns neu aufstellen können, denn man kann nicht einfach alles so weitermachen wie früher». Man solle Kevelaer wiedererkennen, aber: «Auch wir kommen verändert aus der Pandemie.»

Das Pilgerjahr der nordwestdeutschen Wallfahrtsorte steht 2022 unter dem Motto «Himmel + Erde berühren». Das Plus-Zeichen soll zugleich das Kreuz symbolisieren. Laut Wallfahrtsrektor habe man sich ursprünglich den Themen Klima, Ökologie und Schöpfungsbewahrung widmen wollen. «Nun sind wir durch das Weltgeschehen überholt worden, und dennoch passt das Leitwort», sagte Kauling. «Denn die Berührung von Himmel und Erde steht im Zeichen der Versöhnung. Und wir müssen uns konkret den Fragen stellen, wie Versöhnung möglich ist, aber auch wie wir mit Vergebung umgehen können.»

Zur Wallfahrtseröffnung in der Basilika können wieder alle Bänke voll besetzt werden, so können bis zu 700 Gläubige mitfeiern. In der Kirche ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zwar nicht mehr vorgeschrieben, wird jedoch sowohl vom Bistum Münster als auch von der Wallfahrtsleitung begrüßt und empfohlen. «Es ist noch ungewohnt, mit so vielen Menschen den Gottesdienst zu feiern.»

Als erste größere Gruppe wurden für den 1. Mai die Fahrradpilger eingeladen. Um 14.30 Uhr sollen die Räder sowie natürlich die Fahrerinnen und Fahrer auf dem Kapellenplatz gesegnet werden. Die erste gemeinsame Pilgerandacht des Jahres wird in der Basilika dann ab 15.00 Uhr gefeiert.