«Zehn Tage lang Vollgas»: Frankfurt schaut nach Sevilla

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Frankfurts Cheftrainer Oliver Glasner ist an der Seitenlinie in Aktion.
Frankfurts Cheftrainer Oliver Glasner ist an der Seitenlinie in Aktion. Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – In kurzer Jeans und weißem T-Shirt schnappte sich Kapitän Sebastian Rode das Mikrofon und stimmte die Fans von Eintracht Frankfurt auf den ganz großen Fußballabend ein. «Wir haben noch so viel Großes vor. Wir wollen uns übernächsten Mittwoch auf dem Feld für eure Unterstützung bedanken, damit wir am Donnerstag auf dem Römer feiern können», sagte Rode am Sonntag nach dem 1:1 (0:1) in der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach, das für die Hessen schon Sekunden nach Abpfiff zur Nebensache wurde.

Jetzt zählen nur noch Sevilla und die Europa-League-Trophäe. «Zehn Tage lang Vollgas. Dann können wir groß feiern», sagte Rode in Richtung der Fans, die prompt lautstark ihr Lied «Europacup in diesem Jahr» anstimmten. Am 18. Mai geht es in Andalusien gegen die Glasgow Rangers im ersten europäischen Finale seit 1980 nicht nur um einen internationalen Titel, sondern auch um das Ticket für die Champions League. Entsprechend laut verabschiedeten die Fans ihre Helden nach dem letzten Heimspiel der Saison.

Beim Remis gegen Gladbach und Ex-Trainer Adi Hütter hatten die Hessen zuvor Moral bewiesen und nach Rückstand einen Punkt erkämpft. «Ich bin sehr, sehr zufrieden, weil ich natürlich wusste, was am Donnerstag war. Damit meine ich nicht nur das Spiel, sondern auch, dass der eine oder andere erst ins Bett gegangen ist, als die Sonne wieder geschienen hat», sagte Cheftrainer Oliver Glasner. Alassane Pléa (4. Minute) erzielte die Führung für die Gäste, die von Goncalo Paciencia (66.) vor 51.500 Zuschauern ausgeglichen wurde. Er sei «mächtig stolz» auf die Spieler.

«Für mich war es trotz allem eine tolle Rückkehr, weil im Umfeld schon einige Wogen geglättet wurden», resümierte Hütter, der Frankfurt im vergangenen Sommer verlassen hatte. Am Donnerstag war der Ex-Trainer schon in der Mainmetropole zu Gast und hatte sich die Europa-League-Partie angesehen. Dabei sollten auch alte Differenzen ausgeräumt werden.

An einem herrlichen Frühlingstag verabschiedeten die Hessen zunächst ihren ehemaligen Kapitän David Abraham, der bereits im Januar 2021 ging, seine Ehrung aber nicht in einem coronabedingt leeren Stadion bekommen sollte. «Du hast die Eintracht immer kraftvoll vertreten. Du bist ein großer Spieler dieser Eintracht», sagte Vorstand Axel Hellmann. Frankfurts Fans hatten ihre sportlichen Prioritäten längst klar gemacht: «Heute ist egal – holt uns den Pokal», hieß es auf einem großen Transparent in der Kurve.

Nach diesem Motto hatte Glasner sein Team auch aufgestellt. Neben dem verletzten Martin Hinteregger fehlte zu Beginn auch die komplette Offensive um Daichi Kamada, Rafael Borré und Filip Kostic sowie das defensive Mittelfeld mit Rode und Djibril Sow. «Es war vieles nicht perfekt, aber eine unglaubliche Willensleistung», sagte Glasner, der vorab angekündigt hatte, ab jetzt alles auf das Endspiel ausrichten zu wollen. Acht Wechsel im Vergleich zum West-Ham-Sieg am Donnerstag bedeuteten eine Menge Veränderung – und direkt einen Fehlstart.

Gladbach begann nämlich gut und belohnte sich schon nach wenigen Minuten. Nach Zuspiel von Stefan Lainer auf rechts vollendete Pléa aus kurzer Distanz ins lange Eck. Danach blieben Offensivaktionen lange Mangelware. Es war über weite Strecken ein Sommerkick zweier Teams, für die es um nicht mehr allzu viel geht.

Die Borussia hätte mit einem Sieg sicher vor Frankfurt landen können, ließ diese Chance aber aus. «Es war ein ordentliches bis gutes Auswärtsspiel. Am Ende nehmen wir den Punkt einfach mit», sagte Gladbachs Kapitän Lars Stindl bei DAZN. Er kritisierte: «Ärgerlich für uns, dass wir das Ding nicht eher zumachen, das ist unser Manko in dieser Saison.» So sah es auch Tobias Sippel, der Stammkeeper Yann Sommer vertrat: «Schöne Kulisse, schönes Wetter, leider sind wir nicht als Sieger vom Platz gegangen.»