Sieger Wüst strahlt: Und flirtet bereits mit den Grünen

34
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von NRW, spricht.
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von NRW, spricht. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) – Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen stehen die Zeichen zumindest rechnerisch auf Schwarz-Grün: Beide Parteien haben ihre Ergebnisse im Vergleich zur letzten Landtagswahl verbessert. Eine Koalition von CDU und Grünen hätte nach den ersten Hochrechnungen eine deutliche Mehrheit im Düsseldorfer Landtag. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) streckte am Sonntagabend bereits mehr als deutlich seine Hand in Richtung der Ökopartei aus.

Laut Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die CDU auf 35,4 Prozent der Stimmen, die SPD auf 27,2 Prozent, die Grünen auf 18,2 Prozent, FDP und AfD auf jeweils 5,5 Prozent, die Linke auf 2,1 Prozent.

«Es gibt zwei Gewinner heute Abend: Das sind die Grünen und das ist die CDU», sagte Wüst in der ARD. Auf die Frage nach Schnittmengen sagte Wüst mit Bezug auf NRW: «Wir haben eine Riesenherausforderung vor uns: Das ist Klimaschutz in diesem Industrieland.» Ohne die Grünen namentlich zu nennen, ergänzte er: «Klimaschutz ist die größte Herausforderung unserer Zeit, unserer Generation.» Es gelte nun, in NRW ökologische und wirtschaftliche Kompetenz zusammen zu bringen.

Das Wüst-Vokabular – auffallend ähnlich zu dem von Grünen-Spitzenkandidatin Mona Neubaur. Sie wies den Klimaschutz als wichtiges Thema für mögliche Sondierungsgespräche mit anderen Parteien in Nordrhein-Westfalen aus: «Wir haben einen eigenständigen und selbstbewussten Wahlkampf geführt und offensichtlich sind wir dafür jetzt belohnt worden», sagte sie am Sonntagabend in der ARD.

Auf die Frage, welches Projekt bei Sondierungsgesprächen für die Grünen unverhandelbar sei, nannte sie die «Menschheitsaufgabe Klimaschutz», bei der aber der soziale Zusammenhalt gewahrt werden müsse. «Es wird eine starke grüne Handschrift geben», sagte Neubaur.

Die Grünen steuern bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf ein Rekordergebnis zu. Neubaur selbst sagte im WDR, es dürfe bei der Frage von Koalitionsverhandlungen keine Präferenz nach Farben geben. Sie machte deutlich, dass die Grünen auf jeden Fall an einer Regierung beteiligt sein wollen.

Könnte das – je nach endgültigem Wahlausgang – auch Rot-Grün oder eine Ampel sein? Die SPD in NRW stünde trotz ihrer Wahlniederlage nach Worten von Spitzenkandidat Thomas Kutschaty für Koalitionsgespräche bereit. Wüst sieht das nicht. Auf die Frage im ZDF, ob er sich auf einen eventuellen Vorstoß der SPD eingestellt habe, sagte Wüst: «Mit Respekt und mit Anstand muss man ein solches Ergebnis annehmen – das gilt für alle Parteien.» Damit müsse man auch anerkennen, dass die Wähler «ein klares Wort» gesprochen hätten. Es gebe einen «klaren Regierungsauftrag» für ihn und die CDU in NRW, so Wüst.

Mit Bezug auf den bisherigen Koalitionspartner FDP sprach Wüst am Sonntagabend bereits nur noch von der Vergangenheit. «Wir haben in den letzten Jahren unser Land gut regiert und gut voran gebracht», sagte Wüst zur FDP. Man habe «in einem freundschaftlichen und verlässlichen Verhältnis» zusammen gearbeitet. Dann lobte er seine Frau.