Besonderer Blick: Polizei sucht weitere «Super-Recognizer»

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Eine Kriminaloberkommissarin sitzt vor einem Auswertungscomputer.
Eine Kriminaloberkommissarin sitzt vor einem Auswertungscomputer. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild

Düsseldorf (dpa) – Die Polizei in NRW will ihr Team von sogenannten «Super Recognizern» vergrößern: Bei einem Pilotprojekt in sechs Polizeibehörden sollen weitere Beamte mit einem besonderen Blick für Gesichter, Bewegungen oder Gegenstände gefunden und geschult werden. Das bestätigte das zuständige Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten.

«Super Recognizer» sind Menschen, die eine besondere Begabung haben, Gesichter wiederzuerkennen und dadurch Personen zu identifizieren. Sie wurden in NRW – damals noch aus Großbritannien ausgeliehen – erstmals nach der Kölner Silvesternacht von 2015 eingesetzt, um Verdächtige zu finden. Nach Angaben des Landesamtes gibt es inzwischen mehrere «Super Recognizer» bei der NRW-Polizei.

Das Polizei-Magazin «Streife» stellte jüngst eine Autistin vor, die von sich selbst sagt: «Ich bin bei der Recherche wie im Tunnel und erfasse auch kleinste Details, die meist durch das Raster fallen.» Die 42-Jährige wertet beim Landeskriminalamt kinderpornographisches Material aus. «Super Recognizer» kamen laut Innenministerium auch beim riesigen Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zum Einsatz.

In einem Pilotversuch sollen in den sechs Polizeibehörden Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Bochum und Siegen-Wittgenstein weitere begabte Beamte gefunden werden. Dafür will die Berliner Polizei eine Testsoftware zur Verfügung stellen, die dort bereits eingesetzt wurde. Bewerben kann sich zunächst jeder Polizeibeamte in den ausgewählten Pilotbehörden.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Super Recognizer sehen, was andere nicht sehen. Weniger als zwei Prozent aller Menschen besitzen diese Gabe – bei rund 58 000 Polizeibeschäftigten könnten also 1000 Super Recognizer in der nordrhein-westfälischen Polizei schlummern. Diese tausend Talente wollen wir finden und fördern.» Aus der Erfahrung wisse man, dass diese Menschen «manchmal auch die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen finden können», so Reul.