Caritas fordert Recht auf Schuldnerberatung für alle

27
Cent-Münzen liegen vor einer Geldbörse. Foto: pixabay/symbolbild
Cent-Münzen liegen vor einer Geldbörse. Foto: pixabay/symbolbild

Kreis Mettmann. Von der Verschuldung in die Überschuldung ist es manchmal nur ein kleiner Schritt und in Zeiten von rasant steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel und großer Unsicherheit in der Wirtschaft ist dieser schnell getan – mit verheerenden Folgen.

Darauf macht die Caritas-Schuldnerberatung anlässlich der Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 30. Mai bis 3. Juni aufmerksam, und fordert ein Recht auf Schuldnerberatung für alle und einen Ausbau der Schuldner- und Insolvenzberatung.

„Eine Krankheit, eine Periode der Kurzarbeit, eine heftige Nachzahlung beim Stromversorger: Vieles kann die eigene Finanzlage aus dem Gleichgewicht bringen. Das haben wir in der akuten Phase der Pandemie erlebt, das erleben wir jetzt vor dem Hintergrund steigender Preise,“ so Klaus Gärtner, Koordinator der Schuldnerberatung des Caritasverbandes für den Kreis Mettmann. „Und plötzlich ist man nicht mehr bloß verschuldet, sondern überschuldet, und damit gefangen in einem Teufelskreis aus Forderungen, die nicht beglichen werden können, Stigmatisierung und Scham.“

Besonders wichtig ist dem Team der Caritas aber auch die Prävention. Gerade in Zeiten explodierender Energiekosten kann vielen Haushalten durch den Stromspar-Check geholfen werden. Beim diesem Check kommt ein Team aus speziell geschulten Energieberatern in die Haushalte und dort Einsparpotenzial zu ermitteln und so Energiekosten zu senken.

Wer sich Hilfe holt, hat bessere Chancen, aus der Überschuldung zu kommen. Dafür sind die Schuldner- und Insolvenzberatung da. Sie zeigen Wege auf, um die eigene finanzielle Situation zu stabilisieren und nachhaltig zu verbessern. In Haan, Mettmann und Heiligenhaus berät der Caritasverband im Durchschnitt 250-300 Hilfesuchende; im Jahr 2021 waren es 274.

Wie an vielen anderen Orten in Deutschland auch, werden aber die Wartelisten immer länger – derzeit warten 58 Menschen auf einen Termin und im Schnitt dauert es 6-12 Wochen, um einen Termin zu erhalten. Hinzu kommt, dass nicht alle Menschen überall ein Recht auf eine kostenfreie Beratung haben – die Regelung für den Zugang ist regional sehr unterschiedlich, so können beim Caritasverband aktiv selbständige Menschen nicht ausreichend fachlich beraten werden. Für Ratsuchende mit höherem Einkommen besteht aktuell keine ausreichende Gegenfinanzierung

„Wenn man weiß, wie wichtig eine gute Beratung für die Überwindung der Überschuldung ist, leuchtet nicht ein, warum nicht alle, die in Schwierigkeit geraten, diese in Anspruch nehmen dürfen,“ so Thomas Rasch, Bereichsleiter Integration und Rehabilitation beim Caritasverband.

„Wir halten ein Recht auf eine kostenfreie Beratung für alle und einen konsequenten Ausbau der Beratungsstellen, mit einer stabilen Finanzierung für notwendig. Mit der passenden Hilfe können Existenzen gesichert werden“.