Frauenherzen schlagen anders

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Regelmäßiges Training hat einen Schutzeffekt für die Herzgesundheit. Foto: Pixabay
Regelmäßiges Training hat einen Schutzeffekt für die Herzgesundheit. Foto: Pixabay

Zum internationalen Aktionstag für Frauengesundheit erläutert Dr. med. Lars Bansemir, Chefarzt der Kardiologie, Angiologie und Diabetologie am Helios-Klinikum Niederberg, welche Risikofaktoren einen Herzinfarkt begünstigen und worauf Frauen achten sollten.

Geschlechtsspezifische Besonderheiten haben auf Herz-Kreislauferkrankungen bei Frau und Mann einen großen Einfluss. Besonders deutlich wird das am Beispiel des Herzinfarkts.

Die weiblichen Geschlechtshormone spielen für den Herzinfarkt eine wichtige Rolle. „Bis zur Menopause scheinen Frauen zumindest biologisch besser gegen Herzinfarkte gewappnet zu sein. Davor haben sie durch das Hormon Östrogen einen natürlichen Gefäßschutz. Mit der Menopause und bedingt durch die höhere Lebenserwartung steigt das Risiko für eine Herzerkrankung jedoch enorm an“, erläutert Dr. med. Lars Bansemir.

„Rauchen und Diabetes sind klassische Risikofaktoren, die zwar beide Geschlechter betreffen, bei Frauen jedoch mehr ins Gewicht fallen. Frauen, die regelmäßig zur Zigarette greifen, haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen. Fatal ist, wenn rauchende Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren die Anti-Baby-Pille nehmen. Dann können sich die Risiken für einen Infarkt vervielfältigen“, informiert der Experte.

Stark unterschätzt wird laut Bansemir zudem der Faktor Stress: Bei Frauen belastet er das Herz deutlich stärker als bei Männern, wie Studien belegen.

„Viele Frauen schultern heute neben der Kindererziehung, dem Haushalt und der Betreuung der Eltern auch die eigene berufliche Karriere. In Kombination erhöht das den Stresslevel enorm und mit ihm die Wahrscheinlichkeit für einen Infarkt“, so der Chefarzt.

Im Gegensatz zu Männern sterben mehr Frauen an einem Herzinfarkt – unter anderem weil er oft erst später erkannt wird. Bei einem „normalen“ Herzinfarkt sind Schmerzen in der Brust das geschlechterübergreife Hauptsymptom. „Dieses an sich typische Alarmsignal wird aber von beiden Geschlechtern häufig unterschiedlich beschrieben und gedeutet“, erklärt Dr. Bansemir. „Frauen denken selber oft nicht an die Möglichkeit, dass es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte und suchen sich deshalb erst deutlich später medizinische Hilfe.“

Bei den sogenannten „Eva-Infarkten“, die etwa ein Drittel der Gesamtzahl ausmachen und bei Frauen etwas häufiger vorkommen, treten die klassischen Infarktbeschwerden gar nicht auf. Frauen klagen eher über unspezifische Beschwerden wie Atemnot, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit. „Dies führt möglicherweise dazu, dass Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen nicht rechtzeitig erkannt werden und dadurch eine effektive Behandlung zu spät einsetzen kann“, so Dr. Bansemir weiter.

„Die gute Nachricht ist, dass Frauen neben einem geschulten Bewusstsein auch aktiv viel für ihre Herzgesundheit tun können. Gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung spielen eine Schlüsselrolle bei der Herzgesundheit. Regelmäßiges körperliches Training hat für Frauen einen starken Schutzeffekt – vielleicht stärker noch als für Männer“, unterstreicht der Kardiologe.