Robert Wilsons neues Stück in Düsseldorf gefeiert

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Düsseldorf (dpa) – Dreifach-Tragödie als abgründige One-Man-Show: Die Premiere des neuen Stücks von US-Kultregisseur Robert Wilson ist im Düsseldorfer Schauspielhaus am Donnerstagabend minutenlang bejubelt worden. Der 80-jährige Wilson hatte das bildstarke Bühnenwerk «Dorian» als eineinhalbstündiges Solo für den Schauspieler Christian Friedel («Babylon Berlin», «Elser») inszeniert.

Friedel verkörpert in dem nur durch einige Gesangseinlagen unterbrochenen Monolog gleichzeitig den Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) sowie die Hauptfigur in Wildes berühmtem Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» und die britische Malerikone Francis Bacon (1909-1992). Der zuweilen schwer verständliche Text des US-Autors Darryl Pinckney führt in die Abgründe aller drei Figuren: Dorian Gray lebt in ewiger Jugend, während an seiner Stelle sein Abbild auf einem Gemälde altert. Der Maler Bacon zerstört seine eigenen Bilder. Der Schriftsteller Wilde wird wegen homosexueller Aktivitäten zu Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt.

Wilson («The Black Rider») fasziniert Zuschauer seit Jahrzehnten mit seinen traumhaft-gruseligen Bilderwelten und seinen bis ins Detail durchkomponierten Bühnenwerken. In «Dorian» wechselt das Bühnenbild zwischen chaotischer Atelier-Kulisse, schneeweißem leeren Raum und grellen Spiegeln. Friedel wurde für seine Gesangseinlagen immer wieder mit Szenenapplaus bedacht, auch Wilson wurde vom Publikum gefeiert.

Narzissmus, Selbstüberhöhung und Verzweiflung der Figuren verweben sich in dem Stück zu einer alptraumhaft-bizarren Szenerie, die nach 90 Minuten dann recht lapidar mit dem Satz endet: «Die Liebe läuft den ganzen Tag herum (…) und geht dann zurück zum Bahnhof.»

«Dorian» ist Wilsons dritte Inszenierung in Düsseldorf. 2017 feierte er mit der Musical-Groteske «Der Sandmann» von E.T.A. Hoffmann einen spektakulären Erfolg und inszenierte später «Das Dschungelbuch». «Dorian» hat im kommenden Jahr auch Premiere in Dresden.