Vermisste 17-Jährige: Verdacht gegen Familienmitglieder

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Ein Einsatzwagen der Polizei steht vor einer Dienststelle.
Ein Einsatzwagen der Polizei steht vor einer Dienststelle. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Bielefeld (dpa/lnw) – Im Fall einer seit April vermissten 17-jährigen Bielefelderin verdichtet sich ein Anfangsverdacht gegen Familienmitglieder. Am Donnerstag wurden mehreren Örtlichkeiten in Bielefeld und in Bedburg im Rhein-Erft-Kreis durchsucht, wie die Polizei berichtete. Kriminalbeamte hätten umfangreiches IT-Material sichergestellt. Die Mordkommission «Reise» verspreche sich bei der Auswertung Informationen über den Verbleib des Mädchens sowie Hinweise auf die Vorgänge in der Türkei und dem Irak.

Die Angehörigen seien nach ihren Vernehmungen im Polizeipräsidium Bielefeld wieder entlassen worden. Ob es sich bei den Verdächtigten und Vernommenen um die Eltern der Jugendlichen handele, wollten die Ermittler zunächst nicht sagen.

Von der Vermissten gebe es weiter kein Lebenszeichen, schilderte eine Sprecherin. Unter zahlreichen eingegangenen Hinweisen sei keiner, der belege, dass sie noch lebe. Die 17-Jährige war mit ihren Eltern vom 9. bis 25. April in der Türkei zu einer Zahnoperation und nach Angaben der Eltern danach auch im Irak unterwegs. Ihre Tochter habe sich im Irak abgesetzt, hatten die Eltern laut Polizeisprecherin angegeben.

Die Gesuchte war zuletzt einen Tag vor Ende der Reise am 24. April gesehen worden. Aber erst am 9. Mai hatten die Eltern eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Bei der Vermissten handelt es sich um einer aus dem Irak stammende Deutsche mit jesidischer Glaubensrichtung.

Der WDR zitierte den Leiter der Mordkommission, der von einem Spannungsfeld sprach zwischen Leben und Weltanschauung der Jugendlichen einerseits und den Werten und Grundeinstellungen der Familie andererseits, was zu Konflikten geführt haben könnte. Es sei auffällig, dass sich einige Zeugen gegenüber den Ermittlern sehr vorsichtig äußeren, zitierte der WDR Markus Mertens. Die Eltern hätten nicht plausibel erklären können, warum sie erst so spät eine Vermisstenanzeige aufgaben.

Ein Verbrechen ist laut Polizeisprecherin nicht auszuschließen. Man gehe zahlreichen Hinweisen nach – wie wertvoll sie seien, könne man aber bislang nicht sagen. Auch wer zuletzt über soziale Netzwerke – hier war die 17-Jährige sehr aktiv – oder telefonisch Kontakt zu ihr hatte, werde genau überprüft.