«Nett»: Stadt Hattingen will Image des Wörtchens aufpolieren

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Ein Schild mit der Aufschrift
Ein Schild mit der Aufschrift "Wort-Partnerschaft für das Wort nett" ist unter einem Ortsschild von Hattingen zu sehen. Foto: Dieter Menne/dpa

Hattingen (dpa) – «Nette Idee» – war das jetzt ein ehrliches, nettes Kompliment? Oder Sarkasmus? «Nett» wird heute auch ironisch-negativ verwendet – die Ruhrgebietsstadt Hattingen will sich mit der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) nun für das Wort einsetzen. «Das Wörtchen «nett» ist ein bisschen in die falsche Ecke gerutscht – oder gerutscht worden», sagte Hattingens Bürgermeister Dirk Glaser bei der Vorstellung der «Wort-Partnerschaft» am Donnerstag.

GfdS-Experte Lutz Kuntzsch erklärte, «nett» sei im 16. Jahrhundert mit einer ursprünglich rein positiven Bedeutung ins Deutsche gekommen. Durch Ironie habe sich die Bedeutung später verändert. Ein Beispiel: In einigen Fassungen von Bertolt Brechts Dreigroschenoper weise die Figur Mackie Messer einen Mann, der ein Lied als «nett» bezeichnet, zurecht: «Das war nicht nett, das war Kunst!» Schon vor knapp 100 Jahren wurde das Wort also nicht nur als Lob aufgefasst. Heute werde es auch ironisch verwendet: «Das kann ja nett werden.»

Bürgermeister Glaser sagte, man wolle es wörtlich nehmen: «Es ist ein positiv besetztes Wort.» Für die 60.000-Einwohner Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis ist die Ehrenrettung von «nett» Teil einer Marketingkampagne. Geworben wird etwa mit dem Ausdruck «nett hier» und dem Hashtag «#netteshattingen». Seit Donnerstag sind zehn Schilder in der Stadt aufgestellt. Darauf heißt es etwa, man stelle sich der Ungerechtigkeit entgegen, dass das Wort – «mal diffamiert als kleine Schwester von Sch… , mal abgestempelt als Synonym für langweilig» – ein trostloses Dasein friste.

Stadtverantwortliche holten die GfdS mit ins Boot. Sprachwissenschaftler Kuntzsch sagte, der Gesellschaft gehe es um die Diskussion um Wörter. Man beobachte die Verwendung von Ausdrücken, nehme Tendenzen auf. «Aber wir erwarten keine Wunder», sagte er. «Wir können nicht festlegen und bestimmen: Das wird ein tolles Wort.»