Stiftung Haus Oberschlesien trauert um Ex-Vorsitzenden

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Paul Schläger in Bergmannsuniform bei Papst Franziskus auf dem Titelblatt von „Schlesien heute“. Foto: Haus Oberschlesien
Paul Schläger in Bergmannsuniform bei Papst Franziskus auf dem Titelblatt von „Schlesien heute“. Foto: Haus Oberschlesien

Ratingen/Herne. Die Stiftung Haus Oberschlesien trauert um Paul Schläger, der am vergangenen Samstag, kurz vor der Vollendung seines 92. Geburtstags in Herne verstarb.

Paul Schläger wurde in Beuthen/Oberschlesien geboren und kam in den 1960er Jahren als Aussiedler in die Bundesrepublik. Beruflich war der Ingenieur für Bergbau und Mineraltechnik (TU Gleiwitz) von 1968 bin zu seiner Pensionierung 1988 als stellvertretender Abteilungsleiter bei der Ruhrkohle AG angestellt, wo er für drei Bergwerke verantwortlich war.

Ehrenamtlich galt sein Einsatz ganz seiner oberschlesischen Heimat. Als Bundessozialreferent der Landsmannschaft der Oberschlesier beriet der beeidigte Übersetzer der polnischen Sprache unzählige Aussiedler bei sozialrechtlichen Fragen wie der Anerkennung von Rentenzeiten oder Berufsabschlüssen und half bei Übersetzungen. Auch nach den Aussiedlungswellen war er stets ansprechbar. So galt Schläger auch als ausgezeichneter Kenner des Staatsangehörigkeitsrechts.

Nach dem Tod des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Haus Oberschlesien Dr. Bernhard Jagoda ließ er sich sodann in die Pflicht nehmen und übernahm auch dieses Ehrenamt. Dieses hatte er von 2011 bis 2015 inne. In diese Zeit fielen viele Kooperationen mit Institutionen in Oberschlesien, die Schläger stets als wichtige Pfeiler des Brückenbaus zwischen Deutschland und Polen gesehen hatte.

Stiftungsvorsitzender Sebastian Wladarz: „Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Christine und der gesamten Familie. Mit Paul Schläger verlieren wir definitiv einen unserer Besten. Er war Oberschlesier durch und durch, mit Herz, Seele und Verstand. Was Paul menschlich ausmachte waren sein bescheidenes Auftreten und seine zupackende Art im Werke. Er hat sich nie wegduckt, als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig war er in Konfliktsituationen immer um Ausgleich bemüht. Für viele galt Paul daher als der ruhende Pol und die Respektsperson, die man gerne um Rat fragte. Er war derjenige, der nie selbst nach einem Amt strebte. Ganz im Gegensatz, man wollte ihn haben. Und er hat sich nicht lange bitten lassen, sondern mitgetan, wo er gebraucht wurde.“

Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorsitz des Stiftungsvorstandes, blieb Paul Schläger noch für eine Berufungsperiode Vorstandsmitglied. 2019 wechselte er dann in den Stiftungsrat, bevor er dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Er wurde sodann für die Verdienste um die Stiftung und für sein Lebenswerk zum Ehrenvorsitzenden der Stiftung ernannt. Kürzlich

Sebastian Wladarz er erinnert sich: „Ich persönlich werde immer gerne an die gemeinsame Fahrt nach Rom zurückdenken, als wir eine Begegnung mit Papst Franziskus hatten. Es war sehr heiß auf dem Petersplatz und Paul, immerhin bereits über 80 Jahre alt, hat sich dennoch in die pechschwarze Bergmannsuniform geschmissen, weil er so stolz war, an diesem Tag vor zehntausenden Menschen die Oberschlesier zu repräsentieren. Ich bin ihm dankbar für die gemeinsame Zeit. Er hat mich als Macher bezeichnet. Das hat mich vor dem Hintergrund seiner Leistungen verschämt. Andererseits war ich auch unheimlich stolz, denn er war ehrlich und sein Wort zählte. So wusste ich, dass in ihm auch im hohen Alter ein progressiver Geist steckte. Ein weltoffener und um Völkerverständigung bemühter Mensch war er ohnehin schon immer gewesen“.