Steinmeier beim Flutopfer-Gedenken: Klimawandel bekämpfen!

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Eine Drohnen-Aufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung nach dem Unwetter.
Eine Drohnen-Aufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung nach dem Unwetter. Foto: David Young/dpa/Archivbild

Euskirchen (dpa) – Am Jahrestag der Jahrhundertflut im Westen Deutschlands haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) Konsequenzen angemahnt. Die Hochwasserkatastrophe sei ein trauriges, mahnendes Zeugnis des menschengemachten Klimawandels gewesen, sagte Wüst am Donnerstagabend bei einer Gedenkveranstaltung nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche Herz Jesu in Euskirchen bei Bonn.

In dem selbst von der Flut betroffenen Gotteshaus betonte er im Beisein von Opfer-Angehörigen, Rettern und zahlreichen politischen Repräsentanten: «Das sind die Folgen unseres Umgangs mit der Erde.» Angesichts steigender Meeresspiegel und trockener Sommer müssten Dämme, Deiche und Reservoirs gebaut werden. Der Schutz des Klimas und die Bewahrung der Schöpfung seien die größten Herausforderungen, mahnte der Chef der neuen schwarz-grünen Landesregierung. «Es liegt an unserer Generation, die richtigen Weichen zu stellen.»

Ähnlich argumentierte der Bundespräsident. «Wir müssen jede, aber auch wirklich jede Anstrengung unternehmen, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen und wir müssen viel umfassender Vorsorge treffen, um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen», forderte er. Er äußerte Verständnis für Fragen, warum nicht schnell und umfassend genug gewarnt worden sei. Lösungen für einen besseren Katastrophenschutz habe nun ein ganzes Land zu finden.

In NRW hatten viele Betroffene und Retter berichtet, an einigen Orten seien die Warnungen nicht oder zu spät angekommen, zudem habe es Defizite in den Kommunikationsketten gegeben. Seit dem vergangenen Oktober arbeitet ein Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags Versäumnisse bei Behörden sowie Lücken im Katastrophenschutz auf.

Wüst äußerte sich in seiner Ansprache an die tief ergriffene Trauer-Gemeinde betroffen über «Schmerz, der nicht gehen will». Gleichzeitig dankte er den vielen Rettern, die über ihre Belastungsgrenze gegangen seien, um Menschen in Not zu helfen. «Sie haben Heldenmut bewiesen», lobte der Ministerpräsident. Die Landesregierung werde einen Gedenk-Wald mit 49 Bäumen schaffen. «Jeder Baum erinnert an einen Menschen.»

In der Kirche schilderten Augenzeugen eindrücklich ihre Erfahrungen an dem Tag, als die Flut kam. Eine Frau aus Bad Münstereifel berichtete, wie ihre Familie sich in letzter Sekunde vor dem Wasser ins Obergeschoss retten konnte. «Es gab keine Gefahrenwarnungen», sagte sie mit bewegter Stimme. «Unser Haus wurde in Sekunden geflutet. Die Geräusche werde ich nie vergessen.»

In der Kirche schlugen Angehörige und Retter 54 mal die Glocke – für die 49 Todesopfer in NRW und fünf weitere aus NRW, die aber außerhalb des Bundeslandes ums Leben gekommen seien, erläuterte Präses Thorsten Latzel.

Die materiellen Schäden der Katastrophe werden allein in NRW auf etwa 13 Milliarden Euro beziffert. In Rheinland-Pfalz kamen bei der Flutkatastrophe in der Nacht auf den 15. Juli 2021 mindestens 135 Menschen ums Leben. Zwei Menschen werden dort noch immer vermisst.