Messerangriff an Hochschule in Hamm: Täter wollte töten

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Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach einer Polizeistreife.
Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild

Hamm/Düsseldorf (dpa/lnw) – Im Fall des tödlichen Messerangriffs an einer Hochschule in Hamm im Juni suchte der Beschuldigte den Campus gezielt auf, «um Angehörige der Hochschule umzubringen». Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Antwort des NRW-Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor. Der nicht vorbestrafte deutsche Staatsangehörige leidet demnach an einer paranoiden Schizophrenie und befand sich nach Einschätzung der Ermittler zum Tatzeitpunkt «im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit». Seine Opfer hielt er den Angaben zufolge für Zugehörige eines «Clans», der ihn verfolge, abhöre und töten wolle. Der Mann sei seit geraumer Zeit Student an der Hochschule Hamm-Lippstadt.

Vor rund fünf Wochen hatte der 34-Jährige vier Personen an der Hochschule in der westfälischen Stadt attackiert, eine Lehrbeauftragte (30) starb am ihren Verletzungen. Drei Studierende im Alter von 22 Jahren wurden schwer verletzt. Die Polizei hatte von einer «Amoktat» gesprochen.

Laut Ministeriumsbericht hatte der Mann wenige Tage vor der Tat einen Suizidversuch unternommen, sich deswegen in stationäre ärztliche Behandlung begeben. Er habe die Klinik aber am Tattag wieder verlassen, weil er sich vom medizinischen Personal bedroht fühlte. Er kaufte zwei Küchenmesser und begab sich mit Tötungsabsicht zur Hochschule.

Er habe dort im Foyer einer Studentin in den Hals und in die Wange gestochen, danach einem Studenten eine Verletzungen am Hals zugefügt. Einer weiteren Studentin rammte er achtmal ein Messer in den Bauch, eine Not-Operation rettete ihr Leben. Mit den Worten «Jetzt bist du dran!» stach er in einem Hörsaal danach auf die Lehrbeauftragte ein, die einen Tag später verstarb. Gegen den Beschuldigten werde wegen Mordes und versuchten Mordes in drei Fällen ermittelt.

In dem Bericht hieß es weiter, der 34-Jährige habe sich zuvor im April bei der Polizei in Hamm gemeldet, weil er sich von Mitstudierenden im Wohnheim überwacht fühle. Es habe sich aber damals kein Hinweis auf eine Eigen- oder Fremdgefährdung ergaben. Der Mann habe selbst reflektieren können, dass seine Schilderungen «nur schwer nachvollziehbar sind». Er habe angegeben, in psychotherapeutischer Behandlung wegen Angst- und Zwangsstörungen zu sein.

Für die Opfer und Angehörigen der Getöteten sind laut Bericht unter Beteiligung der Opferschutzbeauftragten des Landes psychologische Betreuung und Versorgung sichergestellt.